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Danziger Bürgermeister nach Messerangriff gestorben

Der bei einer Messerattacke niedergestochene Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz ist am Montag seinen Verletzungen erlegen.

Adamowicz bei einer Demo im April 2018

Adamowicz bei einer Demo im April 2018

Der bei einer Messerattacke niedergestochene Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz ist am Montag seinen Verletzungen erlegen. "Trotz all unserer Bemühungen haben wir ihn nicht retten können", sagte der Chirurg Tomasz Stefaniak von der Danziger Universitätsklinik der Nachrichtenagentur PAP. Ein Angreifer hatte Adamowicz am Sonntagabend bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf der Bühne niedergestochen. Politiker aus dem In- und Ausland äußerten sich bestürzt über Adamowicz' Tod.

Nach Polizeiangaben stürmte der Mann am Sonntagabend während einer Benefizveranstaltung für Kinderkliniken auf die Bühne und stach mit einem Messer mehrfach auf Adamowicz ein. Der Bürgermeister wurde vor Ort wiederbelebt und anschließend ins Krankenhaus gebracht. Er wurde lebensgefährlich am Herz und an anderen Organen verletzt.

Den Ärzten gelang es in einer fünfstündigen Notoperation nicht, das Leben des an Maschinen angeschlossenen Bürgermeisters zu retten. Als Reaktion auf Adamowicz' Tod waren in ganz Polen Proteste gegen Gewalt geplant.

Laut Polizei handelt es sich bei dem Angreifer, der von Sicherheitsleuten rasch überwältigt wurde, um einen 27-jährigen Danziger. Ein Video der Attacke zeigt, wie der Mann nach der Messerattacke ein Mikrofon an sich reißt und ruft, die ehemalige Regierung der Bürgerplattform (PO) habe ihn unschuldig ins Gefängnis gebracht. "Deshalb stirbt Adamowicz!"

Medienberichten zufolge war der Täter in der Vergangenheit wegen bewaffneter Banküberfälle zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt worden. Demnach litt er im Gefängnis zunehmend unter psychischen Problemen.

Die liberal-konservative PO hatte Adamowicz bei seiner Wiederwahl im Herbst unterstützt. Der 53-Jährige war seit 1998 Bürgermeister der Hafenstadt. Er war für seine liberalen Ansichten und seine Opposition zur rechtskonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bekannt.

Die PiS hat seit ihrer Regierungsübernahme systematisch PO-Politiker verbal attackiert - sei es wegen Steuerbetrugs, sei es wegen der Flugzeugkatastrophe im Jahr 2010 im russischen Smolensk, bei der Polens damaliger Staatschef Lech Kaczynski sowie 95 weitere Menschen ums Leben kamen. Der Zwillingsbruder des verstorbenen Präsidenten, PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski, gilt als Polens starker Mann.

Die Bürgerplattform stellte von 2007 bis 2015 die Regierung, Ministerpräsident war bis zu seiner Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2014 der in Danzig geborene Parteigründer Donald Tusk. Dieser betrauerte am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter Adamowicz' Tod. Der Bürgermeister sei ein "Mann von Solidarnosc und der Freiheit, ein Europäer, mein guter Freund" gewesen. Betroffen äußerten sich auch der polnische Präsident Andrzej Duda, Regierungschef Mateusz Morawiecki und zahlreiche Politiker aus Regierung und Opposition.

Die Bundesregierung kondolierte ebenfalls. "Wir sind tieftraurig und bestürzt über den Tod von Pawel Adamowicz", erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD). "Dieses feige Attentat macht uns fassungslos."

Auch der Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), zeigte sich schockiert über die "heimtückische Attacke" auf den Danziger Bürgermeister. "Adamowicz hat Danzig mit seinem liberalen Kurs geprägt. Dabei war er stets ein verlässlicher Partner für uns." Die deutsch-polnische Parlamentariergruppe verurteilte das "grauenvolle Verbrechen" ebenfalls.

Der Bürgermeister von Danzigs Partnerstadt Bremen, Carsten Sieling (SPD), erklärte: "Adamowicz stand für ein weltoffenes und liberales Polen, für ein Europa der Völkerverständigung, für eine offene und tolerante Gesellschaft, eine Gesellschaft der Bürgerrechte in der auch Minderheiten geschützt werden." Auch die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles würdigte Adamowicz als überzeugten Europäer, "der für Weltoffenheit und Toleranz stand". CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak twitterte, die Nachricht von Adamowicz' Tod mache ihn "tief betroffen".

AFP