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Deutsche Bahn und Lokführer einigen sich im Tarifstreit auf 6,1 Prozent mehr Lohn

Eine Baustelle weniger für die Deutsche Bahn: Nach der Einigung mit der Gewerkschaft EVG im Dezember erzielte der Staatskonzern nach schwierigen Verhandlungen nun auch einen Tarifabschluss mit der

ICE-Züge der Bahn in Leipzig

ICE-Züge der Bahn in Leipzig

Eine Baustelle weniger für die Deutsche Bahn: Nach der Einigung mit der Gewerkschaft EVG im Dezember erzielte der Staatskonzern nach schwierigen Verhandlungen nun auch einen Tarifabschluss mit der Lokführergewerkschaft GDL. Mögliche Streiks müssen Kunden damit in den kommenden Jahren nicht befürchten. Die Bahn, die zuletzt auch wegen der mangelnden Zuverlässigkeit ihrer Züge immer wieder in die Kritik geraten war, sprach von einer "guten Nachricht für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen".

Jetzt heißt es, "volle Kraft auf unser Ziel, für unsere Kunden besser zu werden", erklärte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. Die Einigung mit der GDL, die ein Lohnplus von insgesamt 6,1 Prozent vorsieht, sei aus Sicht des Unternehmens "eine starke Wertschätzung der Leistung unserer Beschäftigten". Gleichzeitig gebe die lange Laufzeit der Tarifverträge von 29 Monaten der Bahn nun "unternehmerische Planungssicherheit".

Auch GDL-Chef Claus Weselsky zeigte sich "außerordentlich zufrieden" mit der Einigung, die erst in der Nacht zum Freitag gelang. Zuvor hatten Bahn und GDL am Donnerstag in Frankfurt am Main ihre Verhandlungen wieder aufgenommen. Vor Weihnachten hatten die Lokführer die Tarifverhandlungen noch für gescheitert erklärt und der Bahn mit streikähnlichen Folgen gedroht. Nachdem die Bahn ein neues Angebot vorlegte, erklärte sich die GDL dann zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bereit.

Die dort erzielte Einigung sieht nun - ebenso wie der Abschluss mit der Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) - eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,1 Prozent in zwei Stufen sowie eine Einmalzahlung vor. So soll es ab Juli dieses Jahres 3,5 Prozent mehr Geld geben und ab Juli 2020 weitere 2,6 Prozent.

Außerdem sollen die Zulagen für Arbeit in der Nacht und an Sonn- und Feiertagen zum Januar 2020 erhöht werden. Die Tarifverträge gelten rückwirkend von Oktober bis Ende Februar 2021 und haben damit eine Laufzeit von insgesamt zwei Jahren und fünf Monaten. Zum 1. Januar 2021 erhalten die Beschäftigten zudem die Möglichkeit, sich anstelle der zweiten Stufe der Lohnerhöhung für mehr Urlaub oder mehr Freizeit zu entscheiden.

Ein zentraler Punkt für die GDL war zudem die strikte Trennung zwischen Beruf und Privatleben: Im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung und angesichts der Gefahren durch eine "permanente Erreichbarkeit" seien unter dem Motto "Schalt mal ab" nun klare Regelungen vereinbart worden, erklärte die Gewerkschaft. Für das Zugpersonal bestehe außerhalb von Arbeitszeiten und Rufbereitschaften nun ein "unanfechtbarer Anspruch auf Nicht-Erreichbarkeit".

Außerdem wollen Bahn und GDL eine Imagekampagne starten, um den Konzern für Berufseinsteiger attraktiver zu machen. Weselsky betonte, Nachwuchs werde "dringend" benötigt.

Das Image der Bahn hatte im vergangenen Jahr wiederholt gelitten. Im September wurde ein Brandbrief von Konzernchef Richard Lutz an die Führungskräfte des Unternehmens bekannt, in dem dieser eine bessere Zusammenarbeit und strengere Kostenkontrolle anmahnte. Der Konzernbetriebsrat kritisierte dies als "Bankrotterklärung" des Vorstands.

Die Bundesregierung forderte im Dezember indes grundlegende Reformen beim Staatskonzern. Nötig sei eine "Neustrukturierung", hatte der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Enak Ferlemann (CDU), der "Welt am Sonntag" gesagt und der Bahn ein Ultimatum gesetzt: Bis März müsse ein entsprechendes Konzept vorliegen, erste Ergebnisse wolle die Bundesregierung bei einem Termin im Januar hören.

Auch bei der Pünktlichkeit liegt der Konzern unterhalb der selbstgesteckten Ziele. Für zusätzliche Einschränkungen für Bahnkunden sorgten Anfang Dezember zudem Warnstreiks der EVG, die den Fernverkehr zeitweise komplett lahmlegten.

AFP