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Deutsche Friedensforscher warnen vor destabilisierenden Folgen von Corona-Krise

Führende deutsche Friedensforscher haben vor destabilisierenden globalen Folgen der Corona-Pandemie gewarnt.

Checkpoint in Afghanistan

Checkpoint in Afghanistan

Führende deutsche Friedensforscher haben vor destabilisierenden globalen Folgen der Corona-Pandemie gewarnt. Die sich abzeichnenden ersten Auswirkungen seien "alarmierend", sagte Conrad Schetter vom Bonn International Center for Conversion (BICC) am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des von vier Instituten erstellten Friedensgutachtens 2020. So zögen sich in einigen Konfliktgebieten Sicherheitskräfte wegen der Krise "aus der Fläche" zurück, zudem würden Friedensmissionen und Friedensverhandlungen beeinträchtigt.

In der Folge verschärften sich laufende Konflikte und bestehende humanitäre Notlagen "dramatisch", mahnte Schetter. Es drohten auch neue Flüchtlingsbewegungen. Als Beispiele nannte er die Situation in Afghanistan oder der afrikanischen Sahelzone mit Krisenländern wie Mali. Wegen der Corona-Pandemie und der Lockdownmaßnahmen zu deren Eindämmung drohten darüber hinaus insbesondere in Ländern des globalen Südens "drastische gesellschaftliche Verwerfungen".

Viele Zuspitzungen würden erst in Monaten oder gar Jahren sichtbar werden, mahnte der Experte. Konflikte seien oftmals "träge". Die internationale Gemeinschaft müsse auf die Corona-Krise und deren sicherheitspolitische Folgen mit einem "globalen Konjunktur- und Koordinierungspaket" antworten. "Eine globale Pandemie braucht globales Handeln." Die Bundesregierung müsse sich intensiver für friedenspolitische Initiativen einsetzen und eigene Akzente setzen.

Das Friedensgutachten ist eine gemeinsame jährliche Analyse von vier führenden deutschen Forschungsinstituten aus dem Bereich der Sicherheitspolitik. Sie befasst sich mit aktuellen Konflikten und außenpolitischen globalen Trends. Daran beteiligt sind außer dem BICC noch das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung sowie das Institut für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen sowie das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.

AFP

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