HOME

Deutschland erhöht bei Syrien-Geberkonferenz Zusage für humanitäre Hilfe

Bei der Geberkonferenz für die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge hat Deutschland zugesagt, seinen Beitrag zur humanitären Hilfe der UNO um 1,44 Milliarden Euro aufzustocken.

Millionen syrische Flüchtlinge auf Hilfe angewiesen

Millionen syrische Flüchtlinge auf Hilfe angewiesen

Bei der Geberkonferenz für die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge hat Deutschland zugesagt, seinen Beitrag zur humanitären Hilfe der UNO um 1,44 Milliarden Euro aufzustocken. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) rief zum Auftakt der Geberkonferenz in Brüssel am Donnerstag auch andere Länder auf, mehr zur Versorgung der Millionen Flüchtlinge zu leisten. Insgesamt benötigt die UNO allein in diesem Jahr 7,8 Milliarden Euro.

Mit der Aufstockung der Hilfsmittel ist Deutschland der zweitstärkste Geldgeber in der Region, wie Entwicklungsminister Müller sagte. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes stellte Deutschland im vergangenen Jahr 622 Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereit, davon 274 Millionen in Syrien und 348 Millionen in den Nachbarländern. Deutschland unterstützt insbesondere Jordanien, den Libanon und die Türkei bei der Versorgung der Flüchtlinge.

Müller mahnte auch von anderen Staaten mehr Geld an. Es könne nicht sein, dass nur zehn Geber 90 Prozent der Hilfe leisteten, sagte der Minister. Im vergangenen Jahr war die Syrien-Geberkonferenz weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Statt erhoffter acht Milliarden Dollar kamen nur 4,4 Milliarden Dollar zusammen.

Müller sagte, es gehe auf der Brüsseler Konferenz um humanitäre Hilfe und nicht um Mittel für den Wiederaufbau. "Es geht zunächst einmal um das Überleben (...) der Flüchtlinge." Der "politische Prozess" in Syrien müsse von der humanitären Hilfe getrennt werden. Um eine politische Lösung zu erreichen, müsse die EU versuchen, den Druck auf den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu erhöhen, forderte der CSU-Politiker.

Durch den Syrienkonflikt sind rund 5,6 Millionen Menschen in Nachbarländer wie die Türkei, den Libanon und Jordanien geflohen, während weitere 6,2 Millionen Menschen in Syrien vertrieben wurden. Nach UN-Angaben sind 11,7 Millionen Syrer auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zwar sind die Kämpfe kurz vor dem achten Jahrestag des Kriegsbeginns weitgehend zum Erliegen gekommen, doch ist das Land von einem Frieden noch weit entfernt.

Der EU-Nachbarschaftskommissar Johannes Hahn sagte, die Flüchtlinge könnten nur nach einer politischen Lösung nach Syrien zurückkehren. "Wir müssen davon ausgehen, dass es in absehbarer Zeit zu keiner Rückkehr der Flüchtlinge nach Syrien kommt", sagte Hahn der Nachrichtenagentur AFP. Millionen Menschen in angrenzenden Ländern bräuchten deshalb auch Perspektiven wie Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten.

Nach einer Friedenslösung sei die EU auch bereit, sich am Wiederaufbau zu beteiligen, sagte Hahn. Er schloss dabei "für eine Übergangsphase" auch eine Zusammenarbeit mit Assad nicht aus. "Es ist ja offenkundig, dass dieses Regime vor dem militärischen Erfolg steht", sagte der Kommissar. "Ich glaube, von dieser Illusion muss man sich befreien, dass es ohne ein Zusammenwirken mit dem jetzigen Regime gehen wird."

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef erklärte, es gebe kein syrisches Kind mehr, das nicht von Gewalt und Vertreibung betroffen sei. Im vergangenen Jahr habe es mehr Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser gegeben als je zuvor. Mehr als fünf Millionen Kinder bräuchten humanitäre Hilfe. Besonders ernst sei die Lage in den schwer erreichbaren Gebieten des Landes, in die Hilfsorganisationen nur selten vordringen.

Müller kündigte an, Deutschland werde die Arbeit von Unicef in Syrien und im Irak 2019 mit 131 Millionen Euro unterstützen. Unter anderem fließe das Geld in Schulbildung und Ausbildung für syrische Kinder, erklärte der Minister. 2018 sei bereits 1,4 Millionen Kindern und Jugendlichen geholfen worden, und 300.000 Jungen und Mädchen hätten psychosoziale Hilfe erhalten.

AFP