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Ein Todesopfer und drei Verletzte bei Schüssen auf Synagoge in Kalifornien

Bei einem Angriff auf eine Synagoge im US-Bundesstaat Kalifornien sind am Samstag ein Mensch getötet und drei weitere verletzt worden.

Menschen vor Polizeiabsperrung vor der Synagoge

Menschen vor Polizeiabsperrung vor der Synagoge

Bei einem Angriff auf eine Synagoge im US-Bundesstaat Kalifornien sind am Samstag ein Mensch getötet und drei weitere verletzt worden. Unter den Verletzten sei auch der Rabbiner der Gemeinde, teilten die Behörden mit. Ein 19-jähriger Verdächtiger wurde festgenommen, er soll die Tat zuvor im Internet angekündigt haben. US-Präsident Donald Trump sprach von einem "Hassverbrechen" und verurteilte die Tat.

Der Angriff ereignete sich im Ort Poway nahe San Diego. Wie der zuständige Sheriff, Bill Gore, bei einer Pressekonferenz sagte, handelt es sich bei den Verletzten um eine Jugendliche, einen 34-jährigen Mann und den Rabbiner, der an den Händen verletzt wurde. Sie seien außer Lebensgefahr. Bei der Toten handele es sich um eine 60 Jahre alte Frau.

Der festgenommene 19-Jährige wurde als John Earnest identifiziert. Er war zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Sheriff Gore zufolge stürmte Earnest am Vormittag (Ortszeit) die Synagoge Chabad of Poway, wo rund hundert Gläubige den letzten Tag des Pessach-Festes feiern wollten. Er habe das Feuer mit einem Sturmgewehr eröffnet, das offenbar nicht richtig funktionierte, wodurch noch Schlimmeres verhindert worden sei.

Ein außer Dienst befindlicher Beamter, der sich in der Synagoge befand, habe auf den Angreifer geschossen, als dieser die Flucht ergriff, sagte Gore. Der Beamte habe das Auto des mutmaßlichen Täters getroffen. Der 19-Jährige wurde schließlich von einem per Funk informierten Beamten festgenommen, wie der Polizeichef San Diegos, David Nisleit, sagte.

Der Bürgermeister von Poway, Steve Vaus, dankte "denen in der Gemeinde, die sich dem Schützen entgegenstellten und verhinderten, dass dies ein noch schlimmerer Vorfall wurde".

Die Ermittler erklärten, die Einträge des mutmaßlichen Attentäters in Onlinenetzwerken durchzugehen. Sie versuchten zudem einen im Internet veröffentlichten offenen Brief zu verifizieren, sagte Gore.

Das Manifest, das AFP vorliegt, ähnelt einem auf derselben Plattform veröffentlichten Schreiben des australischen Rechtsextremisten Brenton Tarrant, der bei Anschlägen auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März 50 Menschen getötet hatte.

Earnest zollte Tarrant in dem Manifest Anerkennung, ebenso wie dem Attentäter hinter dem Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh vor genau sechs Monaten. Dabei waren elf Menschen getötet worden. Es war der bislang tödlichste Anschlag auf die jüdische Gemeinde in den USA.

Die Behörden in Los Angeles kündigten nach der Tat in Poway an, die Sicherheit vor Synagogen und anderen Gotteshäusern zu verstärken.

US-Präsident Donald Trump drückte im Weißen Haus seine "tiefste Anteilnahme" aus. Bei einem Auftritt vor Anhängern in Wisconsin sagte er später, das "Übel des Antisemitismus und des Hasses" müsse besiegt werden. "An diesem Abend ist das Herz Amerikas mit den Opfern der entsetzlichen Schießerei in Kalifornien.

Auch der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, verurteilte die Tat. "Wir können die Umstände dieser entsetzlichen Tat nicht ignorieren", fügte er hinzu. "Niemand sollte Angst haben, sein Gotteshaus zu besuchen, und niemand sollte wegen seines Glaubens angegriffen werden." Der demokratische Abgeordnete für Kalifornien, Mike Levin, erklärte, der Hass und die Gewalt müssten aufhören.

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon, erklärte, es sei Zeit zu handeln und den Antisemitismus entschlossen zu bekämpfen. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles erklärte, die Tat erinnere "auf schreckliche Weise daran, dass die Flammen des Hasses bei einigen noch immer wüten". Attacken auf Gotteshäuser - "von Kirchen in Sri Lanka und Frankreich über Synagogen in Jerusalem oder Pittsburgh bis zu Moscheen in Christchurch" - seien "ein Angriff auf die menschliche Würde".

Hassverbrechen in den USA haben zuletzt zugenommen. Die auf Bekämpfung des Antisemitismus spezialisierte Anti Defamation League (ADL) meldete im vergangenen Jahr einen Anstieg antisemitischer Vorfälle um 57 Prozent im Jahr 2017.

AFP