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EM-Qualifikation: Nun «vor Holland bleiben»: Löw-Team will Schwung holen

Das nächste Ziel wird gleich nach dem Abpfiff verkündet: Der feststehenden Qualifikation soll nun Gruppenplatz eins folgen. Auch als psychologische Unterstützung für die schwierige EM-Mission im kommenden Jahr. Der Bundestrainer denkt längst an den Sommer 2020.

Heimsieg

Die deutsche Nationalmannschaft will nun den Gruppensieg in der EM-Qualifikation. Foto: Federico Gambarini/dpa

Mit dem perfekt gemachten EM-Ticket wollten sich Joachim Löw und die Spieler-Chefs gar nicht lange aufhalten.

«Wir müssen das noch zu Ende bringen. Im Moment sieht es gut aus», sagte Kapitän Manuel Neuer nach dem deutlichen 4:0 im vorletzten Qualifikationsspiel gegen den überforderten Außenseiter Weißrussland. Mit der Hilfe der Nordiren, die dem bisherigen Spitzenreiter Niederlande einen Punkt abknöpften, aber den direkten Weg zur Endrunde verpassten, kann jetzt die deutsche Nationalmannschaft sogar noch als Gruppensieger durchs Ziel gehen. «Das wäre schon wichtig, wenn wir vor Holland bleiben», bemerkte Neuer.

Matthias Ginter (41. Minute), Leon Goretzka (49.) und zweimal Toni Kroos (55. und 83.) sorgten in Mönchengladbach mit ihren Toren für die vorzeitige Plan-Erfüllung. Zum 13. Mal ist Deutschland bei einer Fußball-Europameisterschaft dabei - das schaffte keine andere Nation. «Wild gefeiert wurde nicht, trotzdem haben wir ein Ziel erreicht und sind glücklich», kommentierte der starke Münchner Goretzka den Erfolg, den alle Protagonisten schnell nur als Zwischenerfolg einordneten. Mit einem weiteren Sieg am Dienstag in Frankfurt gegen Nordirland kann Rang eins und damit ein Platz im besten Lostopf für die Endrunde abgesichert werden.

«Jetzt haben wir die Chance, dass wir diese Gruppe gewinnen. Das ist natürlich schon unser Ziel: Wir wollen einen Sieg einfahren», erklärte Löw. Neuer sieht darin auch einen möglichen psychologischen Effekt: «Das ist wichtig für uns, weil die Holländer spielen schon länger so zusammen und haben die Abläufe viel häufiger trainieren und spielen können.» Löw konnte durch viele Verletzungen und Personalwechsel dagegen den Umbruch im jungen deutschen Team nicht so wie gewünscht vorantreiben. Und dennoch könnte Schwarz-Rot-Gold am Jahresende vor Oranje stehen.

«Ich weiß nicht, ob das Richtung EM wirkt, aber es ist ein schönes Gefühl, wenn du am Dienstag die Chance hast, Erster zu werden in der Gruppe», bemerkte Routinier Kroos, der nicht nur durch seinen Tore-Doppelpack gegen Weißrussland glänzte. Und für den Real-Madrid-Star ist wichtig: «Mit einem sicheren Ergebnis kommt auch das Selbstvertrauen dazu.»

Löw denkt jedenfalls längst über den Gruppen-Abschluss hinaus. «Das war heute eines von noch vier Spielen bis zur EM-Nominierung. Von daher war es wichtig, dass wir den Charakter zeigen, den wir dann auch im nächsten Jahr beim Turnier brauchen und sehen wollen», bemerkte der 59-Jährige. Gegen Nordirland soll auch mit Blick auf das Turnier 2020 «der eine oder andere Spieler eine Chance bekommen, der zuletzt nicht gespielt hat», kündigte Löw bereits an: «Es ist durchaus denkbar, dass ich Wechsel vornehme.»

Ob er sich erst einmal ein Gläschen Rotwein nach der erfolgreichen Qualifikation gönnen wolle, wurde Löw gefragt. «Nach den Spielen trinke ich immer ein Glas Wein», antwortete der Bundestrainer mit einem Lächeln: «Nicht nur als Belohnung, sondern auch mal aus Frust. Das gab es auch schon.»

dpa