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Erste Parteifreunde rufen Präsidentschaftskandidaten Fillon zu Rückzug auf

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon sieht sich wegen der Scheinbeschäftigungs-Affäre mit ersten Rücktrittsforderungen aus dem eigenen Lager konfrontiert.

Fillon ist Präsidentschaftskandidat der Republikaner

Fillon ist Präsidentschaftskandidat der Republikaner

Der französische Präsidentschaftskandidat sieht sich wegen der Scheinbeschäftigungs-Affäre mit ersten Rücktrittsforderungen aus dem eigenen Lager konfrontiert. "Wir können nicht mit einem Kandidaten weitermachen, der sich in extremen Schwierigkeiten befindet", sagte der konservative Abgeordnete Georges Fenech am Mittwoch. Fillon befindet sich in Umfragen im freien Fall: Laut einer neuen Befragung würde er bei der Präsidentschaftswahl nur noch auf dem dritten Platz landen.

"Wir sind ein bisschen wie das Orchester der Titanic: Wir sind dabei unterzugehen", sagte Fenech dem Nachrichtensender BFTMV. Fenech steht dem konservativen Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy nahe, der bei der Vorwahl der Republikaner im November gescheitert war. Diese Vorwahl sei angesichts der Vorwürfe gegen Fillon aber "überholt", sagte Fenech. Nun müsse ein neuer Präsidentschaftskandidat gefunden werden: "Wir müssen dringend eine Entscheidung treffen."

"Fillon ist tot", sagte ein anderer Vertrauter Sarkozys. "Seine Redlichkeit war seine , alles bricht zusammen." Der Abgeordnete Philippe Gosselin rief Ex-Premier Alain Juppé dazu auf, als möglicher Ersatzkandidat bereitzustehen. Juppé war Fillon in der zweiten Runde der Vorwahl unterlegen.

Fillons Ansehen hat durch die Vorwürfe einer Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau großen Schaden genommen. In Umfragen ist der lange als klarer Favorit für das Präsidentenamt gehandelte Politiker abgestürzt: Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Befragung des Meinungsforschungsinstituts Elabe würde er in der ersten Runde der Ende April nur noch auf dem dritten Platz landen und damit ausscheiden.

Fillon liegt demnach derzeit mit 20 Prozent hinter der Rechtsextremen Marine Le Pen (27 Prozent) und dem linksliberalen Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron (23 Prozent). Der Sozialist Benoît Hamon käme auf 17 Prozent. Bislang landete Fillon in Umfragen immer auf dem ersten oder zweiten Platz.

Der konservative Präsidentschaftskandidat steht seit einer Woche wegen einer Scheinbeschäftigungs-Affäre unter massivem Druck: Nach Berichten der Enthüllungszeitung "Le Canard Enchaîné" bezahlte er als Abgeordneter jahrelang seine Ehefrau als parlamentarische Mitarbeiterin, ohne dass diese wirklich arbeitete.

Die Wochenzeitung schreibt in ihrer neuesten Ausgabe, Penelope Fillon habe so in rund 15 Jahren mehr als 830.000 Euro aus Steuermitteln erhalten. Hinzu kommen rund 100.000 Euro für eine Anstellung bei einem Magazin, das einem Freund Fillons gehört. "Le Canard Enchaîné" berichtete am Mittwoch zudem, Fillon habe als Senator zwei seiner Kinder als parlamentarische Mitarbeiter beschäftigt - für insgesamt 84.000 Euro.

Wegen des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Mittel ermittelt inzwischen die nationale Finanzstaatsanwaltschaft. Sie befragte bereits das Ehepaar Fillon und sicherte am Dienstag in der Nationalversammlung Dokumente, die Aufschluss über die Beschäftigung von Penelope Fillon geben sollen. Die Ehefrau des Politikers hatte weder eine Zugangskarte zur Nationalversammlung, noch ein eigenes E-Mail-Konto im Parlament.

Fillon weist den Vorwurf einer Scheinbeschäftigung zurück und beteuert, seine Frau habe eine Reihe von Aufgaben für ihn erfüllt. Die Ermittlungen der Justiz würden seine Unschuld beweisen.

Am Mittwoch rief er konservative Parlamentarier deswegen bei einem Treffen zum Durchhalten auf: "Wir müssen zwei Wochen durchhalten, denn in den kommenden beiden Wochen werden wir die Ergebnisse dieser Ermittlungen kennen", sagte er nach Angaben von Teilnehmern. Einen Rückzug seiner Kandidatur schloss er am Abend aus.

Zugleich warf der Oppositionspolitiker den regierenden Linken einen "institutionellen Staatsstreich" gegen ihn vor. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien eine "professionell organisierte" Kampagne gegen ihn. "Wir wissen, woher das kommt - von der Regierung, von der Linken", sagte Fillon. Bereits am Dienstagabend hatte er von einer beispiellosen "Operation der Verleumdung" gesprochen.

Der Sprecher des sozialistischen Staatschef François Hollande bezeichnete Fillons "Staatsstreich"-Vorwurf als "inakzeptabel".

AFP