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EU-Länder nehmen hunderte auf dem Mittelmeer festsitzende Flüchtlinge auf

Aufatmen für die seit fast zwei Wochen auf dem Mittelmeer ausharrenden Bootsflüchtlinge: Sechs EU-Länder, darunter Deutschland, haben sich zur Aufnahme der 356 Menschen an Bord des Rettungsschiffs

Jubelnde Flüchtlinge an Bord der "Ocean Viking"

Jubelnde Flüchtlinge an Bord der "Ocean Viking"

Aufatmen für die seit fast zwei Wochen auf dem Mittelmeer ausharrenden Bootsflüchtlinge: Sechs EU-Länder, darunter Deutschland, haben sich zur Aufnahme der 356 Menschen an Bord des Rettungsschiffs "Ocean Viking" bereit erklärt, wie die Regierung von Malta am Freitag mitteilte. Derweil kam ein spanisches Marineschiff in Lampedusa an, das 15 der auf dem Rettungsschiff "Open Arms" festsitzenden Migranten nach Spanien bringen soll.

Die wartenden Flüchtlinge sowie die Mitarbeiter der Rettungsorganisationen an Bord der "Ocean Viking" jubelten, als die Nachricht über die Aufnahme durch sechs EU-Länder bekannt wurde. Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP auf dem Schiff berichtete, sangen und tanzten die Menschen an Bord vor Freude.

Die "Ocean Viking" hatte zwei Wochen zwischen der italienischen Insel Lampedusa und Malta vor Anker gelegen und auf die Erlaubnis gewartet, einen Hafen ansteuern zu dürfen. Zuvor hatte die Besatzung hunderte Flüchtlinge von vier Booten vor der libyschen Küste gerettet.

Die Menschen auf dem außerhalb der maltesischen Hoheitsgewässer liegenden Schiff werden nach Angaben von Maltas Regierungschef Joseph Muscat zunächst von der maltesischen Marine an Land gebracht. Der Transfer auf die maltesischen Marineschiffe solle noch am Freitag beginnen. Anschließend würden sie auf Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg, Portugal und Rumänien verteilt. "Keiner wird in Malta bleiben", hob Muscat hervor.

Frankreich erklärte, es werde 150 der Flüchtlinge von der "Ocean Viking" aufnehmen. Von der Bundesregierung gab es zunächst keine konkrete Zahl. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums verwies auf die noch laufenden Gespräche mit der EU-Kommission über die Verteilung der Menschen. Deutschland habe ein Angebot unterbreitet und sei wie in der Vergangenheit bereit, im Rahmen einer Lösung "in gemeinsamer europäischer Verantwortung und Solidarität" seinen Beitrag zu leisten.

Mitarbeiter von Rettungsorganisationen an Bord hatten beklagt, dass die Nahrungsmittel auf dem 69 Meter langen Schiff zuletzt immer knapper wurden. Außerdem kritisierten sie einen Mangel an Koordinierung und Solidarität anderer EU-Staaten angesichts der anhaltenden Flucht über das Mittelmeer.

"War es wirklich notwendig, eine qualvolle zweiwöchige Wartezeit aufzuerlegen, um gerettete Menschen von Bord gehen zu lassen?", sagte Jay Berger von der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Frédéric Pénard von SOS Méditerranée bezeichnete das lange Warten als "schockierend".

Der Koordinator der Rettungseinsätze auf der "Ocean Viking", Nicholas Romaniuk, begrüßte den Durchbruch gegenüber der AFP-Reporterin an Bord des Schiffes. Er habe aber noch keine Informationen darüber, wann die Menschen von Bord gehen könnten. Das Schiff unter norwegischer Flagge wird von den Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée betrieben.

Derweil kam das spanische Marineschiff "Audaz" in Lampedusa an, das 15 der mehr als 80 vom Rettungsschiff "Open Arms" geretteten Flüchtlinge auf die spanische Insel Mallorca bringen soll. Die spanische Regierung in Madrid hatte zugesagt, die Geflüchteten aufzunehmen und kritisierte mit scharfen Worten die Blockadepolitik des italienischen Innenministers Matteo Salvini.

Es war zunächst unklar, wann das Schiff seine Rückfahrt nach Spanien antritt, da die Flüchtlinge noch Behördenverfahren in Italien durchlaufen müssen. Zuvor hatte die Regierung in Madrid der "Open Arms" die Einfahrt in einen spanischen Hafen angeboten. Das lehnte die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms aber angesichts der Verzweiflung der Flüchtlinge an Bord, der großen Entfernung und der Wetterbedingungen ab.

Ärzte ohne Grenzen forderte die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, "dringend einen verlässlichen Ausschiffungsmechanismus" zu schaffen. "Solche unnötigen und belastenden Verzögerungen wegen immer neuer Verhandlungen" müssten ein Ende haben.

AFP