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EU sammelt 7,4 Milliarden Euro für weltweiten Kampf gegen Coronavirus ein

Die EU hat bei einer internationalen Geberkonferenz 7,4 Milliarden Euro für den Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Entwicklung eines Impfstoffs eingesammelt.

Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen

Die EU hat bei einer internationalen Geberkonferenz 7,4 Milliarden Euro für den Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Entwicklung eines Impfstoffs eingesammelt. Die von den Teilnehmern am Montag zugesagte Summe könne nur ein Anfang sein, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. In den kommenden Monaten werde noch "viel mehr" gebraucht. Die USA unterstrichen derweil ihre Absicht, lieber im Alleingang einen Impfstoff zu entwickeln.

"Der heutige Sprint war ein großartiger Start für unseren Marathon", sagte von der Leyen. Die von der EU organisierte Geberkonferenz verfehlte nur knapp das erklärte Ziel von 7,5 Milliarden Euro. "Das ist eine gewaltige und inspirierende Demonstration globaler Solidarität", sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Konferenz als "ein Signal der Hoffnung in so schwierigen Stunden für viele Länder". Die Pandemie sei eine globale Herausforderung, die sich auch nur global überwinden lasse. Für Deutschland kündigte Merkel einen Beitrag von 525 Millionen Euro an.

Ein künftiger Corona-Impfstoff "wird ein öffentliches Gut sein, das niemandem gehört, sondern allen", versicherte der französische Präsident Emmanuel Macron. Für Frankreich sagte er einen Beitrag in Höhe von 515 Millionen Euro zu. Später verkündete von der Leyen, Frankreich werde zusätzlich noch Kreditgarantien für die Europäische Investitionsbank (EIB) in Höhe einer Milliarde Euro leisten.

Den ursprünglich auf eine Milliarde Euro bezifferten Beitrag ihrer Behörde korrigierte die Kommissionschefin zudem auf rund 1,5 Milliarden nach oben und verwies ebenfalls auf die EIB. Sehr großzügig zeigten sich außerdem Japan (762 Millionen), Kanada (552 Millionen), Großbritannien (547 Millionen) und Saudi-Arabien (457 Millionen). Auch die Pop-Ikone Madonna habe eine Million Euro gespendet, sagte von der Leyen.

Nach Angaben der EU-Kommission sollen vier Milliarden Euro des Gesamtbetrags in die Entwicklung eines Impfstoffs fließen. Mit zwei Milliarden Euro sollen die Behandlungsmöglichkeiten und mit 1,5 Milliarden Euro die Testkapazitäten weltweit ausgeweitet werden. Das Geld geht demnach in erster Linie an anerkannte globale Gesundheitsorganisationen wie die internationalen Impfstoffallianzen Cepi und Gavi.

Auch die WHO ist an der als "Global Response" betitelten Initiative beteiligt. Unterstützt wird das Vorhaben zudem von der Weltbank und privaten Stiftungen. Die Bill and Melinda Gates Foundation sagte umgerchnet rund 114 Millionen Euro zu.

Aus der Liste der G7-Staaten fehlten lediglich die USA. "Als ein weltweit führendes Land in der Auslandshilfe gegen Covid-19 begrüßen wir die Bemühungen der EU", sagte ein Regierungssprecher in Washington. Aber die Geberkonferenz sei nur "eine von vielen" derartiger Veranstaltungen. US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag verkündet, die USA würden bis Ende des Jahres einen Impfstoff entwickeln.

Washingtons Alleingang sorgte in Brüssel für Unmut. Während die EU für globale Lösungen einstehe, verweigere sich die USA dem, beklagte ein EU-Beamter. "Sie grenzen sich ab." Es bestehe aber noch Hoffnung: "Wir stehen erst am Anfang eines Prozesses und hoffen, dass sich die US-Regierung an den gemeinsamen Bemühungen beteiligen wird."

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) dämpfte derweil Hoffnungen auf einen raschen und umfassenden Impfschutz. "Wir dürfen keine Wunder erwarten", sagte sie in Berlin. Es sei davon auszugehen, dass ein Impfstoff frühestens Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen werde und dieser werde dann vielleicht nicht alle Erwartungen erfüllen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres schätzte den Gesamtbedarf für die Entwicklung und Verbreitung eines Impfstoffs auf rund 37 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Charles Michel warnte, die Kosten nicht zu handeln, wären "weit größer". Es müsse sichergestellt werden, dass Heilmittel überall auf der Welt zu erschwinglichen Preisen verfügbar seien, auch etwa in Afrika.

AFP

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