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Fragile Waffenruhe zwischen Israel und Islamischem Dschihad nach Gewalteskalation

Nach der zweitägigen Gewalteskalation mit mehr als 30 Toten haben sich Israel und die Palästinensermiliz Islamischer Dschihad auf eine Waffenruhe geeinigt.

Zerstörung in Chan Junis nach einem israelischen Angriff

Zerstörung in Chan Junis nach einem israelischen Angriff

Nach der zweitägigen Gewalteskalation mit mehr als 30 Toten haben sich Israel und die Palästinensermiliz Islamischer Dschihad auf eine Waffenruhe geeinigt. Bereits kurz nach ihrem Inkrafttreten am Donnerstag um 04.30 Uhr (MEZ) wurde indes deutlich, dass die Feuerpause brüchig ist: Am Morgen wurden erneut fünf Raketen auf Israel abgefeuert, wie die israelische Armee mitteilte.

In der Nacht hatte die israelische Armee nach eigenen Angaben einen weiteren Dschihad-Anführer getötet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen wurden bei dem Angriff acht Menschen getötet, darunter fünf Kinder.

UN-Vermittler Nickolay Mladenov rief beide Konfliktparteien zur Einhaltung der Waffenruhe auf. "Die kommenden Stunden sind entscheidend", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Alle Seiten müssten sich in "maximaler Zurückhaltung" üben und "ihren Teil leisten, um ein Blutvergießen zu verhindern".

Einem ägyptischen Regierungsvertreter zufolge verpflichteten sich die Palästinensergruppen in den Verhandlungen in Kairo dazu, für Ruhe im Gazastreifen und für einen friedlichen Verlauf von Demonstrationen in dem Küstengebiet zu sorgen. Ein israelischer Armeevertreter hatte am Mittwochabend gesagt, das Militär werde seine Angriffe auf Ziele im Gazastreifen einstellen, sobald der Islamische Dschihad seinerseits keine Raketen mehr auf Israel abfeuere.

In der Nacht hatten beide Seiten ihre gegenseitigen Raketenangriffe fortgesetzt. Die israelische Armee erklärte, bei einem Luftangriff in der im südlichen Teil des Gazastreifens gelegenen Stadt Deir Al-Balah sei der ranghohe Dschihad-Kommandeur Rasmi Abu Malhus getötet worden, der eine Raketeneinheit der Miliz geleitet habe. Dem Gesundheitsministerium im Gazastreifen zufolge wurden bei dem Angriff acht Mitglieder der Familie getötet, darunter fünf Kinder und zwei Frauen.

Angehörige von Abu Malhus bestritten, dass dieser Verbindungen zum Islamischen Dschihad gehabt habe. Einige gaben an, er sei Militärpolizist gewesen. Ein Nachbar der Familie beschuldigte Israel, ein "Kriegsverbrechen" begangen zu haben.

Israels Armeesprecher Jonathan Conricus wies die Anschuldigungen zurück. Abu Malhus sei ein Kommandeur der radikalislamischen Miliz gewesen und habe "wie viele andere die Strategie verfolgt, Munition und militärische Infrastruktur in seinem eigenen Haus zu verstecken". Die israelische Armee versuche immer, die Zahl der zivilen Opfer zu "minimieren", fügte Conricus hinzu. Die Zahl der Toten durch die israelischen Luftangriffe stieg nach palästinensischen Angaben auf 34.

Ausgelöst worden war die Konfrontation durch die gezielte Tötung des ranghohen Dschihad-Kommandeurs Baha Abu Al-Ata am Dienstagmorgen bei einem israelischen Luftangriff. Der Islamische Dschihad und die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas-Miliz kündigten daraufhin Vergeltung an.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der Folge mehr als 450 Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee reagierte mit Vergeltungsangriffen.

Auf israelischer Seite wurde niemand getötet, allerdings wurden mehrere Wohnhäuser beschädigt; eine Rakete schlug am Mittwoch in unmittelbarer Nähe einer befahrenen Autobahn ein. Nach Angaben von israelischen Ärzten wurden bis Mittwochabend 63 Menschen mit leichten Verletzungen und Stresssymptomen ins Krankenhaus gebracht.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Mittwoch, sein Land wolle keine weitere Eskalation. Sollte der Islamische Dschihad die Attacken nicht einstellen, werde Israel jedoch "ohne Gnade" zurückschlagen.

Seit die radikalislamische Hamas 2007 die Kontrolle im Gazastreifen übernahm, gab es bereits drei kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der radikalislamischen Miliz und Israel.

AFP