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Frankreich liefert erstmals Gas direkt nach Deutschland

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© AFP
Aus Frankreich fließt seit Donnerstag erstmals Gas direkt nach Deutschland. Um 06.00 Uhr morgens sei Gas über den Grenzort Medelsheim im Saarland nach Deutschland gelangt, teilte der französische Gasnetzbetreiber GRTgaz mit. Zunächst lag die Menge bei 31 Gigawattstunden pro Tag, geplant sind bis zu 100 Gigawattstunden täglich - rund drei Prozent der Menge, die Deutschland derzeit täglich importiert. Die Gasspeicher hierzulande sind mittlerweile zu fast 95 Prozent gefüllt.

"Merci beaucoup, GRTgaz", twitterte der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Die französischen Gaslieferungen über das Saarland "helfen der deutschen Versorgungssicherheit". 

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten sich Anfang September auf gegenseitige Energielieferungen geeinigt. Deutschland liefert im Gegenzug Strom nach Frankreich, wo derzeit etwa 30 Atomreaktoren wegen Wartungsarbeiten und technischer Probleme heruntergefahren sind. 

Für die Gaslieferungen nach Deutschland wird eine Leitung genutzt, durch die bislang Gas in die umgekehrte Richtung floss, unter anderem auch aus Russland. Sie gehört zur Mittel-Europäischen Gasleitung (Megal), die quer durch Süddeutschland Richtung Tschechien verläuft.

Ein technisches Problem besteht darin, dass das französische Erdgas bereits mit schwefelhaltigen Geruchsstoffen versetzt ist. In Deutschland werden solche Stoffe erst beigemischt, wenn das Gas an die Haushalte geht. Sie dienen dazu, dass der Austritt von Gas schneller wahrgenommen wird.

In Einzelfällen sei es nicht ausgeschlossen, "dass besonders spezielle und empfindliche Verbrauchsanwendungen in der Industrie sensibel auf den zusätzlichen Schwefelgehalt im Erdgas reagieren", heißt es im saarländischen Wirtschaftsministerium. Die Netzbetreiber im Saarland und in Rheinland-Pfalz sollen jeweils am Vortag über die Lieferungen aus Frankreich informiert werden, so dass die Beigabe von Geruchsstoffen angepasst oder ausgesetzt werden kann. "Vermehrte Gasgeruchsmeldungen" seien daher möglich.

Wie die Netzagentur ebenfalls meldete, ist das Ziel hierzulande, bis Anfang November die Gasspeicher zu 95 Prozent zu füllen, so gut wie erreicht. Demnach lag der Füllstand zuletzt bei im Schnitt 94,97 Prozent, die Befüllung läuft demnach zudem weiter.

Nach Angaben des Portals Gas Infrastructure Europe (GIE) ist eine ganze Reihe von Gasspeichern zu 100 Prozent oder nahezu 100 Prozent befüllt. Insbesondere die wichtigste deutsche Speicheranlage in Rehden ist jedoch erst zu 83,24 Prozent ausgelastet. Auch der für Bayern wichtige Gasspeicher im österreichischen Haidach, der nicht in den deutschen Durchschnittswert einfließt, ist laut GIE erst zu knapp 84 Prozent befüllt.

Das Bundeswirtschaftsministerium intensivierte unterdessen seine Infokampagne zum Start der Heizsaison und rief erneut zum Energiesparen auf - trotz der derzeit guten Versorgungslage und gefüllter Speicher. "Gas ist ein knappes Gut und es ist wichtig, damit sorgsam umzugehen", erklärte Minister Robert Habeck (Grüne). Hier seien alle Bereiche gefragt: Wirtschaft, öffentliche Hand und Privathaushalte.

AFP

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