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Friedliche Europride-Parade trotz Verbots in Belgrad

Zusammenstöße zwischen Gegendemonstranten und der Polizei
Zusammenstöße zwischen Gegendemonstranten und der Polizei
© AFP
Trotz eines Verbots der serbischen Regierung haben tausende Menschen in Belgrad an der diesjährigen Europride-Parade teilgenommen. Unter starkem Polizeischutz und im Regen legten sie am Samstag die auf wenige hundert Meter verkürzte Strecke zwischen dem Verfassungsrat und einem nahe gelegenen Park zurück. Nach Angaben des Fernsehsenders N1 kam es am Rande zu Zusammenstößen zwischen Gegendemonstranten und Polizisten. Das Innenministerium meldete 31 Festnahmen.

Das Innenministerium hatte die paneuropäische Großveranstaltung der LGBTQ-Bewegung am Dienstag aufgrund von Sicherheitsbedenken wegen angekündigter Gegenproteste verboten. Es verbot zwar auch alle Gegenveranstaltungen, doch einige rechtsextreme Gruppen wollten trotzdem aufmarschieren und sich vor Kirchen postieren.

Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, drängten Polizisten am Rande des Marschs immer wieder kleinere Gruppen von Kreuze schwenkenden Gegendemonstranten zurück. Laut dem Sender N1 lieferten sich einige Gegendemonstranten heftige Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften. Sie schleuderten demnach Rauchbomben gegen die Beamten und beschädigten mehrere Fahrzeuge.  

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hatte bereits Ende August eine Absage oder Verschiebung der Europride angekündigt. Zur Begründung verwies er damals auf Engpässe bei der Energie- und Lebensmittelversorgung sowie Sicherheitsbedenken. 

Das spätere tatsächliche Verbot der Veranstaltung durch den EU-Beitrittskandidaten Serbien löste internationalen Protest aus. Die Botschaften von mehr als 20 Staaten - darunter Deutschland, die USA, Frankreich und Großbritannien - riefen die Regierung in Belgrad dazu auf, das Verbot aufzuheben.

Mindestens 15 Abgeordnete des EU-Parlaments hatten angekündigt, am Samstag aus Solidarität an der Demonstration teilzunehmen. Auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne), wollte teilnehmen. 

"Ich war schon bei mehreren Pride-Paraden, aber diese ist doch etwas stressiger als die anderen", sagte die britische Aktivistin Yasmin Benoit der Nachrichtenagentur AFP. "Ich komme aus Großbritannien, wo alle solidarischer sind und es kommerzieller zugeht", erzählte sie und fügte hinzu: "Aber hier ist es wirklich so, wie Pride sein sollte". Sie bezog sich damit auf den gesellschaftlichen Kampf, der am Anfang der Bewegung stand.

Die Europride findet seit 1992 jedes Jahr in einer anderen europäischen Großstadt statt. Der Pride March am vorletzten Tag der Veranstaltungswoche ist mit der Parade zum Christopher Street Day vergleichbar.

Am vergangenen Sonntag hatten in Belgrad tausende Gegner des Pride March, darunter Anhänger rechtsextremer Gruppierungen, Motorradrocker und serbisch-orthodoxe Priester, gegen die erste in Serbien geplante Europride-Parade demonstriert. Gleichgeschlechtliche Ehen sind in Serbien rechtlich nicht anerkannt, Homophobie ist in dem Land nach wie vor weit verbreitet. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer. 

AFP

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