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Früherer WDR-Intendant und Journalist Fritz Pleitgen mit 84 Jahren gestorben

Fritz Pleitgen
Fritz Pleitgen
© AFP
Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen ist tot. Pleitgen starb am Donnerstag im Alter von 84 Jahren, wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Freitag in Köln mitteilte. Pleitgen hatte seit 1963 als Journalist beim WDR gearbeitet und war von 1995 bis 2007 dessen Intendant. Vertreter des Senders und der Politik würdigten seine jahrzehntelange Arbeit in der Medienbranche. 

Der bis zu seinem Tod in Bergisch Gladbach lebende Pleitgen galt als einer der einflussreichsten deutschen Journalisten und Medienmacher. WDR-Intendant Tom Buhrow nannte Pleitgen einen hoch angesehenen Rundfunkmanager, Korrespondenten und politischen Journalisten. Er habe "den Westdeutschen Rundfunk über viele Jahrzehnte entscheidend geprägt und zum Erfolg geführt".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte in einem Kondolenzschreiben an die Frau Pleitgens, wenige Journalisten hätten "sich so sehr um den eigenen Berufstand und um die Demokratie verdient gemacht". Wie visionär Pleitgen gewesen sei, zeige "nicht zuletzt die von ihm ganz wesentlich mit vorangetriebene Gründung des Informationssenders Phoenix".

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) erklärte: "Mit Fritz Pleitgen verlieren wir einen herausragenden Journalisten, der Seriosität und Leidenschaft vereinte, einen großen Unterstützer von Kultur, Künstlerinnen und Künstlern, und nicht zuletzt einen Fußballbegeisterten – kurz: einen sehr feinen Menschen."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hob die Verdienste Pleitgens auch für das Bundesland hervor, das mit ihm "einen großen Medienmacher, einen Journalisten mit Weitsicht und höchstem Anspruch an Glaubwürdigkeit" verliere. Als Journalist habe er den Menschen durch seine Berichterstattung Weltgeschehnisse wie den Zusammenbruch der DDR und der Sowjetunion nähergebracht.

Dem Fernsehpublikum ist Pleitgen unter anderem durch zahlreiche Moderationen von "Brennpunkt"-Sendungen oder dem ARD-"Presseclub" bekannt, den er bis 2006 moderierte. 2020 machte Pleitgen, der damals ehrenamtlicher Präsident der Deutschen Krebshilfe war, eine Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs öffentlich.

Der in Duisburg geborene Pleitgen volontierte bei einer Tageszeitung in Bielefeld und wechselte 1963 als Reporter für die "Tagesschau" zum WDR. Einen Namen machte sich Pleitgen ab 1970 als Korrespondent des ARD-Studios in Moskau. Mitten im Kalten Krieg führte er als erster westlicher Journalist ein Interview mit dem damaligen Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew. Es folgte 1977 eine Station als DDR-Korrespondent in Ost-Berlin und ab 1982 als ARD-Studioleiter in Washington und New York.

1988 übernahm Pleitgen in Köln die Chefredaktion des WDR-Fernsehens und 1994 die Direktion des Hörfunks. Nur ein Jahr später wählte ihn der Rundfunkrat 1995 zum WDR-Intendanten. In seinem Amt setzte er sich unter anderem für den Aufbau des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix ein, gründete einen Jugendsender und förderte lokales Fernsehen.

2006 rückte er bis 2008 an die Spitze der European Broadcasting Union, zu der 74 meist öffentlich-rechtliche Rundfunkstationen inner- und außerhalb Europas gehören. Nach seinem Abschied vom WDR im Jahr 2007 war er bis 2010 außerdem Vorsitzender der Geschäftsführung der Initiative Ruhr.2010, wo er das Programm rund um die europäische Kulturhauptstadt verantwortete. Für sein Engagement als Präsident der Deutschen Krebshilfe erhielt Pleitgen 2012 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

AFP

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