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Fünf Tote bei Massenprotesten gegen Militärrat im Sudan

Bei erneuten Massenprotesten gegen den regierenden Militärrat im Sudan sind in der Hauptstadt Khartum und weiteren Städten des Landes Zehntausende auf die Straßen gegangen.

Massenproteste im Sudan

Massenproteste im Sudan

Bei erneuten Massenprotesten gegen den regierenden Militärrat im Sudan sind in der Hauptstadt Khartum und weiteren Städten des Landes Zehntausende auf die Straßen gegangen. In Khartum setzte die Polizei am Sonntag Tränengas gegen die Demonstranten ein. In anderen Städten wurden nach Angaben von Ärzten mindestens fünf Demonstranten durch Schüsse getötet.

Es waren die ersten Massenproteste seit der gewaltsamen Auflösung des zentralen Protestlagers in der Hauptstadt, bei der am 3. Juni dutzende Menschen getötet worden waren. Die hohen Teilnehmerzahlen waren umso erstaunlicher, als der Militärrat seit Wochen den Internetzugang blockiert.

Der sudanesische Berufsverband SPA bezeichnete die Proteste als "monumental und einzigartig". Er hatte die Demonstranten in Khartum im Onlinedienst Twitter aufgerufen, zum Präsidentenpalast zu ziehen, "um Gerechtigkeit für die Märtyrer" vom 3. Juni und "eine bedingungslose Machtübergabe an die Zivilbevölkerung" zu fordern.

Die Polizei setzte Augenzeugen zufolge im Norden und Osten Khartums Tränengas gegen die Demonstranten ein. Die gefürchtete paramilitärische Einheit RSF war mit Maschinengewehren bewaffnet an mehreren Plätzen in Khartum präsent. Er werde keinen "Vandalismus" tolerieren, warnte der Leiter der Einheit, Mohamed Hamdan Dagalo.

Auch in der Stadt Gadaref im Osten des Landes griffen die Sicherheitskräfte laut Zeugenberichten zu Tränengas. In den Städten Port Sudan, Al-Obeid, Madani und Chasma al-Girba gingen ebenfalls tausende Menschen auf die Straße. Der Militärrat warnte die Protestbewegung Allianz für Freiheit und Wandel, die zu den Demonstrationen aufgerufen hatte, er werde sie "vollumfänglich verantwortlich machen", falls jemandem etwas zustoße.

Nach Angaben des der Protestbewegung nahestehenden Ärztekomitees wurden fünf Demonstranten getötet. Vier Tote habe es in der Stadt Omdurman gegeben, einen weiteren Toten in der Stadt Atbara. Mehrere Schwerverletzte, die von Kugeln der Milizen des Militärrates getroffen worden seien, würden in der Hauptstadt und in den Provinzen in Krankenhäusern behandelt.

Das Gesundheitsministerium sprach von zwei Toten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Suna meldete. Dagalo sagte, Heckenschützen hätten auf mindestens drei Mitglieder der RSF und fünf oder sechs Zivilisten in Omdurman geschossen.

Im Vorfeld der Proteste hatten die EU, mehrere westliche Staaten und Menschenrechtsorganisationen beide Seiten zur Zurückhaltung aufgefordert, um erneute Gewalt zu verhindern. Äthiopien und die Afrikanische Union (AU) bemühen sich derzeit, zwischen der Opposition und dem Militärrat zu vermitteln.

In dem ostafrikanischen Staat hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir infolge von monatelangen Massenprotesten im April ein Militärrat die Führung übernommen. Er weigert sich, die Macht zügig an eine zivile Regierung zu übergeben.

Bei der gewaltsamen Auflösung des Protestcamps am 3. Juni und in den folgenden Wochen wurden nach Angaben oppositionsnaher Ärzte insgesamt etwa 130 Menschen getötet. Nach offiziellen Angaben starben allein am 3. Juni 61 Menschen.

AFP