HOME

Gambias abgewählter Präsident Jammeh geht ins Exil

Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Macht hat Gambias abgewählter Präsident Yahya Jammeh das westafrikanische Land verlassen und den Weg für seinen Nachfolger Adama Barrow freigemacht.

Jammeh geht ins Exil

Jammeh geht ins Exil

Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Macht hat Gambias abgewählter Präsident das westafrikanische Land verlassen und den Weg für seinen Nachfolger Adama Barrow freigemacht. Jammeh ging am Samstagabend nach Äquatorialguinea ins Exil und wendete damit eine militärische Eskalation der wochenlangen Krise ab. In Banjul tanzten die Menschen vor Freude in den Straßen und warteten gespannt auf Barrows Heimkehr aus dem benachbarten Senegal.

Im staatlichen Fernsehen wurde eine Erklärung von Jammeh verlesen, in dem dieser seinem Nachfolger viel Erfolg wünscht. Er lade ein, "sofort zurückzukommen", um sein Amt anzutreten, und sei bereit, ihm mit Ratschlägen zur Seite zu stehen.

Jammeh war im Dezember abgewählt worden und hatte seine Niederlage zunächst eingestanden. Später weigerte er sich aber, die Macht an Barrow abzugeben. In den vergangenen Tagen spitzte sich die Krise zu. Truppen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas überschritten mit Billigung der UNO die Grenze zu , um Jammeh zum Aufgeben zu zwingen.

Die unterbrach ihre Militärintervention schließlich für einen letzten Vermittlungsversuch der Präsidenten Guineas und Mauretaniens, Alpha Condé und Ould Abdel Aziz. In der Nacht zum Samstag verkündete Jammeh schließlich seinen Rücktritt und wendete ein militärisches Eingreifen in den Machtkampf ab.

Er habe "guten Gewissens" entschieden, die Führung "dieser großen Nation" abzugeben, sagte Jammeh in einer Fernsehansprache. Am Abend winkte er am Flughafen der Hauptstadt ein letztes Mal seinen Anhängern zu, bevor er zusammen mit Condé in ein Privatflugzeug stieg. Nach einem Zwischenstopp in Guineas Hauptstadt Conakry landete der abgewählte gambische Präsident schließlich in Malabo, der Hauptstadt Äquatorialguineas.

In Banjul brachen die Menschen in Jubel aus und tanzten in den Straßen, als sie von der Ausreise des langjährigen Staatschefs erfuhren. "Jetzt sind wir frei", riefen einige.

Die Ecowas, die Afrikanische Union (AU) und die UNO veröffentlichten eine Erklärung, in der sie Jammehs Gang ins Exil lobten und den Militäreinsatz offiziell für beendet erklärten. Sie kündigten an, keine "rechtlichen Maßnahmen" gegen Jammeh zu ergreifen und forderten auch die neue gambische Regierung auf, Jammehs "Würde" und seine Rechte zu garantieren. Wenn er wolle, müsse Jammeh in sein Land zurückkehren können.

Auch die Bundesregierung lobte Jammehs Entscheidung als "gut und "überfällig". Das Auswärtige Amt in Berlin warnt vorerst aber weiterhin vor Reisen nach Gambia.

Barrow hatte am Donnerstag in der gambischen Botschaft in Senegals Hauptstadt Dakar seinen Amtseid als Präsident abgelegt. Mit seiner Rückkehr nach Gambia wurde nach Angaben aus senegalesischen Regierungskreisen noch im Laufe des Sonntags gerechnet.

Die Ecowas-Truppen sollten zunächst noch im Land bleiben, um Barrows Rückkehr abzusichern, wie Ecowas-Kommissionspräsident Marcel Alain de Souza in Dakar sagte. Am Grenzübergang Keur Ayib überquerten am Sonntag mehrere senegalesische Militärfahrzeuge die Grenze. Wie AFP-Reporter berichteten, wurden die Soldaten im gambischen Grenzort Farafegny mit Jubelrufen, Applaus und Hupkonzerten empfangen.

AFP

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren