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Gaza-Konflikt eskaliert - Zahlreiche Tote und Verletzte

Die Gewaltspirale im Nahostkonflikt hat sich am Dienstag weiter gedreht: Die israelische Luftwaffe tötete bei ihren Angriffen im Gazastreifen dem dortigen Gesundheitsministerium zufolge in weniger

Gebäude in Chan Junis nach israelischem Luftangriff

Gebäude in Chan Junis nach israelischem Luftangriff

Die Gewaltspirale im Nahostkonflikt hat sich am Dienstag weiter gedreht: Die israelische Luftwaffe tötete bei ihren Angriffen im Gazastreifen dem dortigen Gesundheitsministerium zufolge in weniger als 24 Stunden sechs Palästinenser. Nach eigenen Angaben bombardierte die israelische Luftwaffe etwa 150 Ziele in der schmalen Palästinenserenklave, darunter den Fernsehsender der im Gazastreifen regierenden radikalislamischen Hamas. Zuvor hatten Palästinenser am Montag mehrere Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Dabei wurde ein Reisebus zerstört und ein Soldat schwer verletzt.

Zu den von israelischen Kampfflugzeugen zerstörten Zielen zählte auch ein ehemaliges Hotel im Zentrum von Gaza-Stadt, das die Hamas als Sicherheitsbüro nutzte. Die israelische Armee sprach von Vergeltungsangriffen gegen die Hamas und die Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad für die etwa 400 aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketen. Die militante Volksfront zur Befreiung Palästinas erklärte, bei zwei der getöteten Palästinenser handele sich um ihre Kämpfer.

Das israelische Raketenabwehrsystem fing der Armee zufolge mehr als hundert Raketen ab, die meisten anderen gingen auf unbewohntem Gebiet nieder. Doch einige trafen Häuser und andere zivile Einrichtungen. In der südisraelischen Stadt Aschkelon wurde in einem durch eine Rakete zerstörten Haus ein Toter gefunden. Bei ihm handelte es sich um einen Palästinenser, wie die Polizei mitteilte. Eine aus demselben Haus geborgene Frau schwebte in Lebensgefahr.

In der Stadt Sderot und in anderen Ortschaften im Süden Israels gab es mehrere Verletzte. Die Bewohner des Gebiets an der Grenze zum Gazastreifen begaben sich in Schutzräume. Immer wieder ertönten Alarmsirenen. In vielen Gemeinden wurde der Schulunterricht ausgesetzt. Die Armee verstärkte ihre Raketenabwehr und brachte Panzer in Stellung.

Der militärische Arm der Hamas bekannte sich dazu, Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert zu haben. "Das gemeinsame Kommando palästinensischer Gruppen verkündet den Beginn von Bombardierungen von Siedlungen des Feindes mit einer großen Anzahl Raketen", erklärten die Essedin-al-Kassam-Brigaden.

Der UN-Sondergesandte Nickolay Mladenov, der sich seit Monaten um einen Waffenstillstand unter Vermittlung Ägyptens bemüht, sprach von einer "äußerst gefährlichen Eskalation". Alle Seiten seien aufgefordert, Zurückhaltung zu üben.

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den "Raketenbeschuss auf das Schärfste". Israel habe das Recht, "seine Sicherheit zu verteidigen und auf Angriffe angemessen zu reagieren". Die Vermittlungsbemühungen Ägyptens und der Vereinten Nationen müssten fortgeführt werden, anderenfalls drohe eine "Eskalation gefährlichen Ausmaßes".

Das israelische Sicherheitskabinett unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wollte im Laufe des Tages über die Lage beraten.

Die erneute Verschärfung der Lage war am Sonntag vom Einsatz israelischer Spezialkräfte im Gazastreifen ausgelöst worden. Dabei starben sieben Palästinenser und ein israelischer Offizier. Nach palästinensischen Angaben war unter den getöteten Palästinensern ein Kommandeur der Kassam-Brigaden. Die Hamas hatte nach dem israelischen Einsatz vom Sonntag Rache geschworen.

Die israelische Armee teilte mit, der Einsatz der Spezialkräfte sei nicht wie geplant verlaufen. Bei einem "Schusswechsel" im Süden des Gazastreifens nahe der Stadt Chan Junis sei ein Oberstleutnant getötet und ein weiterer Offizier leicht verletzt worden.

Eine Bodenoperation israelischer Soldaten im Gazastreifen ist ein seltener Vorgang. Der israelischen Armee zufolge nahmen die Soldaten an einer "Geheimdienstoperation" teil. Die Streitkräfte bestritten zugleich Angaben der Hamas, wonach bei dem Einsatz Palästinenser ermordet oder gefangengenommen werden sollten.

AFP

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