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Gedenken an früheren Präsidenten Giscard d'Estaing im Europaparlament

Frankreichs Präsident Macron bei der Gedenkzeremonie
Frankreichs Präsident Macron bei der Gedenkzeremonie
© © 2021 AFP
Zum ersten Todestag des früheren französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing haben führende Politiker aus Europa ihn mit einer Feier in Straßburg geehrt.

Zum ersten Todestag des früheren französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing haben führende Politiker aus Europa ihn mit einer Feier in Straßburg geehrt. "Er war sein ganzes Leben lang Architekt und Handwerker der europäischen Einheit", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag in Straßburg. Giscard d'Estaing habe "stets die Sache eines geeinigten und von der Krankheit des Krieges geheilten Europas" vorangetrieben.

Giscard d'Estaing war von 1974 bis 1981 Frankreichs Präsident und ein Freund und Weggefährte des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD). Von 1989 bis 1993 war er Abgeordneter im EU-Parlament und gilt als eine der führenden Figuren beim Aufbau der Europäischen Union. Er setzte sich für eine stärkere Zusammenarbeit der europäischen Länder, den Ausbau der EU-Institutionen sowie die Einführung des Euro ein.

"Europa war für Valéry Giscard d'Estaing mehr als eine Utopie für eine ferne Zukunft und gewiss mehr als ein loses Bündel aus ökonomischer Opportunität auf dem kleinsten gemeinsamen politischen Nenner", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Zeremonie. Es werde dem früheren französischen Präsidenten "nicht nur Freunde eingebracht haben, sich so leidenschaftlich und unbeirrt für die deutsch-französische Freundschaft einzusetzen", fügte Steinmeier hinzu.

"Giscard d'Estaing hat sein ganzes Leben Frankreich und Europa gewidmet", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron. Seine Präsidentschaftskampagne sei die erste gewesen, "die das europäische Projekt zum Hauptthema der Wahl gemacht hat", fügte Macron hinzu. Während seiner Präsidentschaft habe er seine diesbezüglichen Versprechen dann umgesetzt.

Macron und Steinmeier würdigten Giscard d'Estaings Idee, angesichts der Weltwirtschaftskrise 1975 gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Schmidt ein internationales Treffen der stärksten Wirtschaftsnationen zu initiieren. Damit war der Anfang für die heutigen G7-Treffen gemacht worden.

EU-Parlamentspräsident David Sassoli erinnerte daran, dass Giscard d'Estaing besonders zur Reform der EU-Institutionen "und vor allem der Stärkung der Rolle des europäischen Parlaments" beigetragen habe. Der französische Präsident hatte sich für eine Direktwahl der Abgeordneten des EU-Parlaments eingesetzt, was erstmals 1979 der Fall war.

EU-Ratspräsident Charles Michel lobte Giscard d'Estaings Einsatz für die Einführung des Euro. Er "war wahrscheinlich auch einer der Ersten, die verstanden haben", wie wichtig eine gemeinsame Währung sei, sagte Michel.

An der Gedenkfeier in Straßburg nahmen auch die Witwe des früheren Präsidenten, Anne-Aymone Giscard d'Estaing, sowie ihre Kinder und Enkel teil. Giscard d'Estaing war am 2. Dezember 2020 im Alter von 94 Jahren gestorben.

AFP

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