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Gedenken an NS-Opfer im ehemaligen KZ Buchenwald - AfD nicht erwünscht

Im Umgang mit der AfD bleibt die KZ-Gedenkstätte Buchenwald unnachgiebig: Mit einer Kranzniederlegung in dem ehemaligen Konzentrationslager gedachten Vertreter der Thüringer Landesregierung, des

"Jedem das Seine" steht am Lagertor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

"Jedem das Seine" steht am Lagertor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Im Umgang mit der AfD bleibt die KZ-Gedenkstätte Buchenwald unnachgiebig: Mit einer Kranzniederlegung in dem ehemaligen Konzentrationslager gedachten Vertreter der Thüringer Landesregierung, des Landtags und anderer gesellschaftlicher Gruppen am Freitag der Opfer des Nationalsozialismus. Die AfD war bei der Veranstaltung unerwünscht. Der Direktor der Gedenkstätte, Volkhard Knigge, begründete dies mit den antidemokratischen, rassistischen und menschenfeindlichen Positionen der Partei.

In einem Brief an die AfD-Abgeordneten im Thüringer Landtag hatte Knigge zuvor erklärt, dass diese bei der Kranzniederlegung in Buchenwald "nicht willkommen" seien. Er verwies auf Äußerungen des Thüringer Fraktionschefs Björn Höcke, der 2017 in einer Rede über die Aufarbeitung des Nationalsozialismus die "dämliche Bewältigungspolitik" in Deutschland kritisiert und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert hatte. Höcke wurde daraufhin von einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Landtag ausgeschlossen. Die Gedenkstätte erteilte Höcke damals zudem Hausverbot.

"Herr Höcke hält bis heute an seiner Haltung zur Erinnerungskultur fest, auch aus Ihrer Fraktion ist uns keinerlei Distanzierung von seinen Positionen bekannt geworden", hieß es in dem Brief an die AfD-Abgeordneten. "Wer sich innerhalb der AfD nicht glaubhaft gegen solche Positionen und das damit verbundene verharmlosende, relativierende Geschichtsbild wendet, unterstützt sie."

Der parlamentarische Geschäftsführer der Thüringer AfD-Fraktion, Stefan Möller, warf Knigge indes "Ausgrenzung" vor. Höcke gehört dem rechtsnationalen Flügel in der AfD an, den der Bundesverfassungsschutz kürzlich als extremistische Bestrebung einstufte und ebenso wie die Nachwuchsorganisation Junge Alternative zum Verdachtsfall erklärte. Damit ist auch eine mögliche geheimdienstliche Überwachung verbunden.

In einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Thüringer Landtag mahnte Parlamentspräsidentin Birgit Diezel (CDU) am Freitag, auch mehr als 70 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager seien Antisemitismus und Judenhass "keineswegs nur Geschichte – sie sind ein bedrohlicher Teil unserer Gegenwart". Jeder tätliche Angriff, jede verbale Attacke und jede Diffamierung seien "ein Angriff auf unsere freie und plurale Gesellschaft", betonte Diezel.

Zugleich forderte sie einen respektvollen Umgang miteinander in den Debatten. Sprache könne "der Gewalt den Boden bereiten". Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, das "Nie wieder" müsse jeden Tag neu mit Leben erfüllt werden. "Wir müssen uns der Vergangenheit stellen."

Buchenwald gehörte zu den größten Konzentrationslagern auf deutschem Boden. Zwischen 1937 und 1945 wurden in dem Lager und in seinen 139 Außenlagern etwa 250.000 Menschen aus ganz Europa interniert, von denen schätzungsweise 56.000 starben.

Teile des Lagers wurden nach dem Krieg bis 1959 von der sowjetischen Besatzungsmacht als sogenanntes Speziallager genutzt, in dem etwa 7000 Menschen starben. 1958 wurde dann die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet.

AFP

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