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Getreide-Exporte aus Ukraine laufen nach Einigung mit Russland wieder an

Ein Frachtschiff mit ukrainischem Getreide
Ein Frachtschiff mit ukrainischem Getreide
© AFP
Einen Tag nach der Wiederbelebung des Abkommens mit Russland zu Getreideexporten durch das Schwarze Meer haben mehrere Schiffe mit solcher Fracht ukrainische Häfen verlassen. Sieben Frachter mit insgesamt rund 290.000 Tonnen Getreide und anderen Lebensmitteln sollten am Donnerstag durch den eingerichteten Schutzkorridor fahren, teilten an der Koordination der Lieferungen beteiligte UN-Vertreter mit. Russland ließ allerdings offen, ob es einer Verlängerung des Abkommens zustimmen wird, das am 19. November ausläuft.

Das Istanbuler Koordinationszentrum für die Getreideexporte (JCC) erklärte, dass die russische Delegation "die Arbeit und die gemeinsamen Inspektionen" von Schiffen mit Inspektoren aus der Ukraine, der Türkei und von den Vereinten Nationen "wieder aufgenommen hat". Zuvor hatte bereits der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu die Wiederaufnahme des Getreideabkommens bestätigt. Akar sprach demnach von sechs Schiffen, die ukrainische Häfen verlassen hätten.

Die USA und die UNO begrüßten die unter Vermittlung der Türkei erzielte Wiederaufnahme des Getreideabkommens. Laut UN-Generalsekretär António Guterres wurden seit Unterzeichnung der Vereinbarung im Juli bereits zehn Millionen Tonnen Getreide und andere Lebensmittel durch den Schutzkorridor im Schwarzen Meer ausgeführt. Russlands mehrtägige Aussetzung der Teilnahme habe die "Bedeutung" des Abkommens deutlich gemacht. Dieses verringere "das Risiko des Hungers" in der Welt.

Washington und die Vereinten Nationen betonten, die Vereinbarung müsse nun über den 19. November hinaus verlängert werden. Guterres forderte zudem eine "Beseitigung der noch bestehenden Hindernisse für den Export von russischen Lebensmitteln und Düngemitteln". Moskau beklagte wiederholt, es könne seine Lebensmittel und Düngemittel nicht verkaufen.

In den Verhandlungen um die Exporte von russischen Düngemitteln wurden nach Angaben einer Hauptverhandlungsführerin der Vereinten Nationen am Donnerstag "wichtige Schritte nach vorne" gemacht. Es liege jedoch noch "ein weiter Weg vor uns", sagte Rebeca Grynspan.

Beim nun wieder aufgenommenen Getreideabkommen ist derweil noch unklar, ob Russland seine Beteiligung verlängern wird. Die jetzige Wiederaufnahme der Vereinbarung bedeute keine Verlängerung, hieß es aus Moskau. Es müsse noch "eine Gesamtbewertung des Erfolges des Abkommens" vorgenommen werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Es wird angenommen, dass ein Durchbruch in der Düngemittelfrage eine Einigung beim Getreideabkommen erleichtern könnte.

Moskau hatte das Abkommen am Samstag ausgesetzt und als Grund einen Angriff auf seine Schwarzmeerflotte angegeben. Trotz Russlands Rückzug aus dem Abkommen waren in den vergangenen Tagen mehrere Getreidefrachter durch das Schwarze Meer gefahren.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums vom Mittwoch erhielt Moskau von Kiew ausreichende Garantien, den für den Getreidetransport vorgesehenen Schiffskorridor nicht für militärische Zwecke zu nutzen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte jedoch gesagt, Moskau behalte sich vor, aus den Vereinbarungen auszusteigen, "wenn diese Garantien von der Ukraine verletzt werden".

Moskau bestellte am Donnerstag als Reaktion auf Drohnenangriffe gegen die russische Schwarzmeerflotte vor der annektierten Halbinsel Krim die britische Botschafterin ein. Russland wirft Großbritannien vor, in die Angriffe verwickelt zu sein.

Solche "konfrontativen Aktionen der Engländer bergen die Gefahr einer Eskalation der Situation" und könnten zu "unvorhersehbaren und gefährlichen Konsequenzen führen", warnte das russische Außenministerium. Der britischen Botschafterin seien ein "scharfer Protest" übermittelt und "konkrete Fakten" für Londons "feindliche Provokationen" vorgelegt worden. Großbritannien hatte die Vorwürfe Russlands zurückgewiesen.

Unterdessen erklärten Russland und die Ukraine am Donnerstag, mehr als 200 Gefangene ausgetauscht zu haben. "Heute holen wir 107 unserer Kämpfer aus ukrainischen Gefängnissen zurück", teilte der Donezker Separatistenführer Denis Puschilin im Onlinedienst Telegram mit. "Wir werden die selbe Anzahl von Gefangenen an die Ukraine zurückgeben."

Der ukrainische Präsidentenberater Andrij Jermak bestätigte, dass Kiew 107 Gefangene in Empfang genommen habe. Beide Kriegsparteien hatten in den vergangenen Wochen wiederholt Gefangene ausgetauscht.

AFP

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