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GroKo-Parteien erzielen historisch schlechte Ergebnisse bei Europawahl

Die Wähler haben bei der Europawahl in Deutschland die Parteien der großen Koalition mit historisch schlechten Ergebnissen abgestraft.

Sven Giegold, Annalena Baerbock und Katrin Göring-Eckardt

Sven Giegold, Annalena Baerbock und Katrin Göring-Eckardt

Die Wähler haben bei der Europawahl in Deutschland die Parteien der großen Koalition mit historisch schlechten Ergebnissen abgestraft. Union und SPD erlitten bei der Abstimmung am Sonntag laut Hochrechnungen von ARD und ZDF deutliche Verluste. Besonders hart traf es die SPD, die auf nur noch 15,6 Prozent kam. Die Union landete in der ARD-Hochrechnung bei 27,9 Prozent, im ZDF bei 27,7 Prozent.

Die SPD fiel auf Platz drei hinter die Grünen zurück, die mit 20,8 bis 21,8 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl erzielen konnten. Die AfD legte im Vergleich zur letzten Europawahl 2014 zu und landete laut Hochrechnungen bei 10,5 bis 10,6 Prozent. FDP und Linkspartei kamen jeweils nur auf 5,5 Prozent der Stimmen.

Union und SPD verzeichneten demnach ihre bislang schlechtesten Ergebnisse bei einer Europawahl, die seit 1979 alle fünf Jahre abgehalten wird. Bei der letzten Europawahl im Jahr 2014 hatte die Union noch 35,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Die SPD landete damals bei 27,3 Prozent.

Einen Triumph konnten am Sonntag die Grünen feiern, die ihr Ergebnis von 2014 (10,7 Prozent) praktisch verdoppelten. Noch nie hat die Partei bei einer bundesweiten Wahl einen so hohen Stimmenanteil erzielt.

Die AfD war bei der letzten Europawahl auf 7,1 Prozent gekommen, die Linkspartei auf 7,4 Prozent und die FDP auf 3,4 Prozent.

Da es bei der Europawahl in Deutschland keine Sperrklausel gibt, werden voraussichtlich erneut mehrere Kleinstparteien Mandate im EU-Parlament gewinnen.

Die Wahl galt auch als Stimmungstest für die Bundespolitik. Es war die erste bundesweite Abstimmung seit Vereidigung der GroKo im März 2018 - und die erste seit dem Wechsel an den Spitzen aller drei Koalitionsparteien.

Die Zahlen zu den Wahlergebnissen in Deutschland basieren zunächst nur auf Prognosen und Hochrechnungen. Offizielle Auszählungsergebnisse werden erst um 23.00 Uhr vorgelegt, wenn EU-weit die letzten Wahllokale schließen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird in der Nacht zu Montag zwischen 02.00 Uhr und 03.00 Uhr erwartet.

Rund 64,8 Millionen Wahlberechtigte waren in Deutschland aufgerufen, ihre Stimme abzugeben - unter ihnen waren knapp vier Millionen Bürger anderer EU-Staaten. Insgesamt 41 Parteien und politische Vereinigungen warben um ihre Stimmen. Deutschland entsendet 96 Abgeordnete in das 751 Mitglieder umfassende Europaparlament.

AFP
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