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Großrazzia gegen türkische Rockergruppe Osmanen Germania

Mit einer Großrazzia in drei Bundesländern ist die Polizei am Dienstag gegen Mitglieder der türkisch-nationalistischen Rockergruppe Osmanen Germania BC vorgegangen.

Kutte eines Mitglieds der Osmanen Germania BC

Kutte eines Mitglieds der Osmanen Germania BC

Mit einer in drei Bundesländern ist die Polizei am Dienstag gegen Mitglieder der türkisch-nationalistischen Rockergruppe Osmanen Germania BC vorgegangen. Die Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg waren vom Bundesinnenministerium angeordnet. Insgesamt durchsuchten gut tausend Polizisten knapp 60 Objekte in den drei Bundesländern.

Das Bundesinnenministerium erklärte, das eigentliche Ziel der als Boxklub auftretenden Organisation mit ihren 22 Ortsgruppen liege in der "gewalttätigen Macht- und Gebietsentfaltung" und der "Selbstbehauptung" gegen andere Gruppierungen. Nach Angaben der Behörden in dienten die Maßnahmen der Aufklärung der Vereinsstrukturen und -aktivitäten.

"Es handelt sich nicht um die Durchsetzung eines Vereinsverbots", erklärte die Essener . Sie übernahm die Federführung für die Razzien in Nordrhein-Westfalen, wo 41 Objekte in mehr als 20 Städten durchsucht wurden. Auch Spezialkräfte waren im Einsatz, weil einige Rocker dort als gefährlich gelten.

Die Osmanen haben dem zufolge etwa 300 Mitglieder, viele davon mit türkischen Wurzeln. Ihnen werden demnach wiederholte schwere Körperverletzungs- und versuchte Tötungsdelikte vorgeworfen. Zu diesen kam es vor allem bei Konflikten mit Angehörigen der inzwischen bereits aufgelösten kurdischen Rockergruppierung Bahoz.

Der scheidende Bundesinnenminister Thomas de Maizière ( ) erklärte, Bund und Länder zeigten mit den Maßnahmen, "dass wir kriminelle Aktivitäten egal vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund nicht dulden". Sein nordrhein-westfälischer Kollege Herbert Reul (CDU) begrüßte die gemeinsame Aktion. Sie liege "voll auf unserer nordrhein-westfälischen Nulltoleranzlinie".

Bei den Razzien in Nordrhein-Westfalen beschlagnahmten die Beamten nach eigenen Angaben Rockerkutten, Datenträger sowie Waffen und Drogen. Die Auswertungen würden noch einige Tage dauern. In Baden-Württemberg durchsuchen die Einsatzkräfte laut Stuttgarter Innenministerium acht Objekte. Dort waren demnach hundert Polizisten in Einsatz.

Die Behörden waren schon in der Vergangenheit mit Razzien und Festnahmen gegen die im Jahr 2015 gegründete Osmanen Germania BC vorgegangen. Im Dezember erhob die Staatsanwaltschaft in Stuttgart Anklage gegen acht mutmaßliche Mitglieder der Gruppe wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums besteht der "dringende Verdacht", dass Zweck und Tätigkeit des Vereins "den Strafgesetzen zuwiderlaufen". Es seien daher "vereinsrechtliche Ermittlungsmaßnahmen" angeordnet worden.

Baden-Württemberg richtete bereits vor einiger Zeit eine spezielle Ermittlungsgruppe beim Landeskriminalamt ein, um auf aufkeimende Auseinandersetzungen zwischen Osmanen und Bahoz zu regieren. Diese leitete im vergangenen Jahr laut Innenministerium mehr als hundert Ermittlungsverfahren ein und vollstreckte 31 Haftbefehle. Innenminister Thomas Strobl (CDU) erklärte am Dienstag, die Behörden hätten "hervorragend längerübergreifend zusammengearbeitet".

Die Osmanen gelten den Behörden zufolge als aktuell größte sogenannte rockerähnliche Gruppierung in Deutschland. Darunter werden Gruppen verstanden, die wie Rockerbanden auftreten und ähnliche Aktivitäten entfalten. Anders als Hells Angels oder Bandidos haben sie aber keine Affinität zu Motorrädern. Sie firmieren etwa als Kampfsportvereine.

AFP

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