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Hunderte Menschen nehmen Abschied von verstorbenem SPD-Politiker Stolpe

Mit einem Gedenkgottesdienst haben sich in Potsdam hunderte Menschen vom im Dezember gestorbenen früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) verabschiedet.

Steinmeier bei Stolpes Gedenkfeier

Steinmeier bei Stolpes Gedenkfeier

Mit einem Gedenkgottesdienst haben sich in Potsdam hunderte Menschen vom im Dezember gestorbenen früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) verabschiedet. Er sei ein "Politiker von unverzichtbarer Bedeutung für die Identität der Brandenburger" gewesen, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Potsdamer Nikolaikirche am Dienstag. Stolpe war am 29. Dezember im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Nach der deutschen Wiedervereinigung war Stolpe von 1990 bis 2002 der erste Ministerpräsident in Brandenburg. "In einer Zeit der Kriege und Kriegsgefahren wurde es ihm zur politischen Pflicht, sich für Austausch und Verständigung einzusetzen", sagte Steinmeier.

Dabei verwies er auch auf aktuelle politische Zustände: "Manchmal scheint es, als würden menschenfeindliche Ideologien, als würde der Nationalismus, als würden Wut, Rachsucht und Gewalt wiederkehren", mahnte der Bundespräsident.

Auch Brandenburgs aktueller Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte Stolpe in einer Rede. "Die Verdienste Manfred Stolpes um das Land Brandenburg sind groß", sagte er. Etwa sei Stolpe der Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und gegen Menschenfeindlichkeit wichtig gewesen.

Ebenfalls in einer Rede gedachte die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) Stolpe. Bei aller Identitätssuche habe Brandenburg mit Stolpe "großes Glück gehabt", sagte sie.

Unter den zahlreichen Gästen waren auch Stolpes Nachfolger Matthias Platzeck, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig und Altkanzler Gerhard Schröder (alle SPD). Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nahmen ebenfalls an der Gedenkveranstaltung teil.

Der evangelische Landesbischof Christian Stäblein hielt eine Predigt. Auf Stolpes Wunsch spielte das Brandenburger Landespolizeiorchester unter anderem das Lied "Über sieben Brücken".

Stolpe wurde am am 16. Mai 1936 in Stettin geboren. Nach seinem überraschenden Rücktritt als Ministerpräsident wurde der Jurist im Herbst 2002 Bundesverkehrsminister in der damaligen rot-grünen Bundesregierung und blieb bis Ende der Legislaturperiode 2005 im Amt. Seine Amtszeit als Verkehrsminister wurde überschattet vom Debakel um die Lkw-Maut.

Umstritten war Stolpe wegen seiner Kontakte zur DDR-Staatssicherheit, die er als hoher Vertreter der evangelischen Kirche zu DDR-Zeiten geknüpft hatte. Stolpe selbst gab an, er habe dies getan, um den vom Regime Verfolgten zu helfen.

AFP