VG-Wort Pixel

Infektionszahlen steigen Europa gegen Corona: Merkel und Co. beraten bei Videogipfel

Europa gegen Corona
Bundeskanzlerin Merkel trifft sich mit ihren europäischen Kollegen per Video, um über den Kampf gegen Corona zu beraten. Foto: Christoph Soeder/dpa
© dpa-infocom GmbH
Mehr als eine Million Fälle in einer Woche, rund 1000 Tote pro Tag: Die Pandemie trifft Europa hart. Die EU-Staaten halten dagegen - im Idealfall gemeinsam.

Angesichts der Wucht der zweiten Corona-Welle in ganz Europa wollen die EU-Staats- und Regierungschefs heute eine gemeinsame Linie bei Test- und Impfstrategien suchen.

Dazu schalten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre EU-Kollegen am Abend per Video zusammen. Bereits am Morgen will Merkel in einer Regierungserklärung im Bundestag die deutschen Maßnahmen gegen die Pandemie erläutern.

Überall in Europa steigen die Infektionszahlen rasant. Allein in der vergangenen Woche gab es nach Angaben der EU-Kommission 1,1 Millionen bestätigte Corona-Fälle in Europa, täglich werden derzeit etwa 1000 Covid-19-Todesfälle registriert. Nicht nur Deutschland, sondern auch die EU-Partner fahren das öffentliche Leben zurück, um die Welle zu brechen.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner forderte konkrete Maßnahmen zur Abstimmung der 27 Länder. «So wie Merkel bei den Ländern im Bund auf einheitliche Maßnahmen gedrungen hat, muss sie es jetzt auch bei den Ländern in Europa tun», sagte Brantner der dpa. «Wir brauchen nicht nur gemeinsame Kriterien für Risikogebiete, sondern auch einheitliche Quarantäne und Testvorgaben.»

Genau das ist auch das Ziel von EU-Ratschef Charles Michel, der den Videogipfel einberufen hat. Konkret hofft er auf eine möglichst einheitliche Linie bei Quarantäneregeln, Tests und Tracing-Apps. Bisher habe man noch nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt, räumte Michel diese Woche ein.

Tatsächlich lief die Abstimmung der EU-Staaten in der Krise vor allem am Anfang schlecht. Im Frühjahr verärgerten sich die Partner gegenseitig mit Grenzschließungen und Exportstopps für Schutzkleidung. Zeitweise stauten sich Lastwagen an den Grenzen über Dutzende Kilometer. Seither geben sich die Staaten mehr Mühe, an einem Strang zu ziehen. Allerdings: In der Gesundheitspolitik hat die EU kaum mitzureden, das ist Sache der Mitgliedsstaaten.

Einige konkrete Vorschläge für gemeinsame Maßnahmen hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Vortag dennoch gemacht. So legte sie eine Empfehlung für den Einsatz der neuen Antigen-Schnelltests vor, die binnen 15 Minuten ein Ergebnis zeigen. Diese könnten gemeinsam für die EU-Staaten beschafft werden.

Zur Rückverfolgung von Infektionen sollen die EU-Staaten kompatible Apps einführen und für die Nutzung werben. Zudem sollen sie der EU-Seuchenbehörde ECDC und der Kommission mehr Daten zum Infektionsgeschehen übermitteln. Auch bei den Impfstrategien sollen sich die Staaten abstimmen - zum Beispiel, wer zuerst geimpft wird, sobald ein Serum zur Verfügung steht.

Schließlich geht es auch um einen Konsens bei Quarantäne- und Testpflichten für Reisende. Bis Dezember soll ein einheitliches Formular erstellt werden, das Reisende ausfüllen müssen. So sollen mögliche Kontakte besser verfolgt werden können.

dpa

Mehr zum Thema


Das könnte sie auch interessieren


Wissenscommunity


Newsticker