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Inflation im Juli bei 7,5 Prozent - Weiterer Anstieg im Herbst erwartet

Einkaufswagen in einem Supermarkt
Einkaufswagen in einem Supermarkt
© AFP
Die Inflation in Deutschland hat sich im Juli leicht abgeschwächt, bleibt jedoch auf hohem Niveau und dürfte schon bald wieder deutlich anziehen. Die Verbraucherpreise stiegen verglichen mit dem Vorjahresmonat um 7,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Damit bestätigte die Behörde ihre ersten Schätzungen von Ende Juli.

Im Juni hatte die Inflation bei 7,6 Prozent und im Mai bei 7,9 Prozent gelegen. Gründe für die leichte Entlastung seien das Neun-Euro-Ticket und der Tankrabatt, diese Maßnahmen hätten "leicht dämpfend" gewirkt, erklärte Behördenchef Georg Thiel. Die Abschaffung der EEG-Umlage im Juli dämpfte zudem den Preisauftrieb beim Strom leicht ab.

Angetrieben wurde die Inflation erneut von den Preisen für Energie und für Nahrungsmittel. Ohne diese beiden Faktoren hätte die Teuerung im Juli nur bei 3,2 Prozent gelegen und wäre damit nicht einmal halb so hoch gewesen wie tatsächlich gemessen. 

Die Preise für Nahrungsmittel stiegen um 14,8 Prozent. Diese Teuerungsrate erhöhte sich damit den fünften Monat in Folge. Bei allen Nahrungsmittelgruppen wurden Preiserhöhungen beobachtet, die größten bei Speisefetten und Speiseölen (44,2 Prozent) sowie Molkereiprodukten und Eiern (24,2 Prozent). Fleischwaren wurden etwa um 18,3 Prozent teurer.

Energieprodukte waren im Jahresvergleich um 35,5 Prozent teurer. Im Juni war die Preissteigerung hier noch höher ausgefallen. Strom verteuerte sich mit 18,1 Prozent infolge der Abschaffung der EEG-Umlage nun weniger stark als im Juni. Auch der Preisauftrieb für Kraftstoffe schwächte sich wegen des Tankrabatts ab, auf 23 Prozent. Die Preise für leichtes Heizöl verdoppelten sich (102,6 Prozent), bei Erdgas betrug die Teuerung 75,1 Prozent.

"Der Tankrabatt ist definitiv ein Fehler", sagte dennoch der am Mittwoch frisch ernannte neue Wirtschaftsweise Martin Werding. Es müssten Bürger mit wenig Einkommen entlastet werden, aber nicht auch großflächig solche, die alleine klarkämen. Langfristig würden Entlastungen für die ganze Bevölkerung die Inflation anheizen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, bezeichnete die leichte Abschwächung der Inflation als "Zwischentief". "Ab September ist wieder mit einer Beschleunigung der Inflation zu rechnen." Denn alleine das Auslaufen des Neun-Euro-Tickets und des Tankrabatts im September dürfte zu fast 1,5 Prozentpunkten zusätzlicher Inflation führen. Hinzu komme die beschlossene Gasumlage.

"Insgesamt könnte damit die Inflationsrate im Winter die Zehn-Prozent-Marke erreichen", erklärte Dullien. Es brauche nun weitere gezielte Entlastungen für Privathaushalte "auch mit nicht-konventionellen Maßnahmen".

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) will hingegen vor allem auf Steuerentlastungen wie eine Anhebung des Grundfreibetrags bei der Einkommensteuer setzen. Am Mittwoch kündigte er ein Gesetzespaket an, von dem 48 Millionen Menschen profitieren sollen. Unter anderem Grüne und SPD-Politiker kritisierten die Pläne als "ungerecht", es brauche vor allem Entlastungen für Menschen mit niedrigen Einkommen.

AFP

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