VG-Wort Pixel

Iran bestreitet jegliche Verwicklung in Angriff auf Salman Rushdie

Ayatollah Khomeini auf einem Plakat in Teheran am 13. August 2022
Ayatollah Khomeini auf einem Plakat in Teheran am 13. August 2022
© AFP
Der Iran hat jegliche Verbindung zu dem Angreifer auf den Schriftsteller Salman Rushdie "kategorisch" abgestritten - und  stattdessen den Autor selbst für den Angriff vom vergangenen Freitag verantwortlich gemacht. "Bei diesem Angriff ist niemand anderer als Salman Rushdie und seine Unterstützer verantwortlich zu machen oder gar zu verurteilen", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanani, am Montag.

Niemand habe das Recht, der Islamischen Republik Iran die Schuld zuzuweisen, sagte Kanani auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz in Teheran. Rushdie habe sich "selbst dem Volkszorn ausgesetzt", indem er die heilige Sache des Islam beleidigt und damit für mehr als 1,5 Milliarden Muslime und ihre Anhänger die roten Linien überschritten habe. 

Der britisch-indische Schriftsteller Rushdie war am Freitag bei einer Lesung in Chautauqua im Bundesstaat New York attackiert worden. Der 24-jährige Angreifer stach mindestens zehn Mal auf Rushdie ein. Rushdie ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. 

Der von der Polizei als Hadi Matar identifizierte Angreifer erschien am Samstag zu einer Anhörung vor Gericht in Chautauqua. Zum gegen ihn erhobenen Vorwurf des "Mordversuches" erklärte er sich über seinen Anwalt für nicht schuldig. Er selbst sagte laut Medienberichten kein Wort.

In der westlichen Welt löste der Angriff großes Entsetzen aus. Wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed in Rushdies Buch "Die Satanischen Verse" hatte 1989 Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Khomeini in einer Fatwa zur Tötung des Schriftstellers aufgerufen. Jahrelang lebte Rushdie unter strengem Polizeischutz an immer wieder wechselnden, geheimen Orten. Seit einiger Zeit führte er aber wieder ein relativ normales Leben und trat immer wieder in der Öffentlichkeit auf.

Mehr als 30 Jahre nach seinem Erscheinen gilt der Roman ebenso wie sein Autor im Iran noch immer als äußerst provokativ. Nach dem Angriff auf Rushdie wird spekuliert, ob Khomeinis damaliger Mordaufruf die Tat beeinflusst haben könnte. 1998 hatte die Regierung in Teheran zwar erklärt, Rushdies Ermordung nicht zu unterstützen. Allerdings ist bis heute ein Kopfgeld auf den Schriftsteller ausgesetzt. Auch hob Teheran den Mordaufruf gegen den Autor nie auf.

Der Angriff auf Rushdie erfolgte zudem zu einem kritischen Zeitpunkt. Anfang August waren unter Vermittlung der EU die Gespräche mit dem Iran über das internationale Atomabkommen von 2015 nach monatelanger Unterbrechung wieder aufgenommen worden. Das Abkommen soll das iranische Nuklearprogramm begrenzen und sicherstellen, dass das Land keine Atomwaffen baut. Am Freitag hatte der Iran seine Bereitschaft erkennen lassen, einen europäischen Kompromissvorschlag zur Rettung des Atomabkommens zu akzeptieren.

AFP

Mehr zum Thema

Das könnte sie auch interessieren

Newsticker