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Japan verlässt Internationale Walfangkommission

Schwarzer Tag für Tierschützer und Walfang-Gegner: Japan wird sich aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) zurückziehen und den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen.

Brydewal an Bord eines Walfängers 2013

Brydewal an Bord eines Walfängers 2013

Schwarzer Tag für Tierschützer und Walfang-Gegner: Japan wird sich aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) zurückziehen und den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen. Das Land werde ab kommendem Juli zu kommerziellen Zwecken Wale jagen, kündigte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Mittwoch an. Die Entscheidung löste in mehreren Ländern und bei Aktivisten heftige Kritik aus.

Die Waljagd werde sich auf die Regionen vor der japanischen Küste beschränken, erklärte Suga. "Wir werden nicht in den antarktischen Gewässern oder in der südlichen Hemisphäre jagen."

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Ankündigung scharf: Japan schere damit aus der internationalen Gemeinschaft aus, erklärte der Chef von Greenpeace Japan, Sam Annesley. Der Schritt stehe auch den Bemühungen für den notwendigen Schutz der Ozeane und "dieser majestätischen Lebewesen" entgegen.

Der Austritt Japans aus der Walfangkommission ist keine Überraschung: Japan war im September in der IWC mit einem Antrag auf eine Rückkehr zum kommerziellen Walfang gescheitert. Das Land hatte bei der IWC-Jahrestagung im brasilianischen Florianópolis argumentiert, die Bestände einiger Walarten hätten sich so weit erholt, dass der kommerzielle Walfang wieder zugelassen werden könne.

Regierungssprecher Suga sagte am Mittwoch, bei der Jahrestagung habe es "keine Zugeständnisse" der Staaten gegeben, die sich ausschließlich dem Schutz der Meeressäuger verpflichtet sehen. Eine Koexistenz in der IWC sei deswegen nicht mehr möglich.

Australiens Regierung erklärte, sie sei "extrem enttäuscht" und drängte Japan, den Schritt noch einmal zu überdenken. Neuseelands Außenminister Winston Peters nannte den Walfang eine "überholte und unnötige Tätigkeit" und forderte Japan dazu auf, in der IWC zu bleiben.

Die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünenfraktion im Bundestag nannte Japans Rückkehr "zur blutigen Jagd auf intelligente Meeressäuger" einen "schweren Schlag für den internationalen Natur- und Meeresschutz". Es sei "traurig und entsetzlich, wie stur und rücksichtslos" Tokio "kleinste wirtschaftliche Interessen" über den Artenschutz stelle, erklärte Steffi Lemke. Deutschland müsse sich nun umso mehr für einen weltweiten Schutz bedrohter Tierarten einsetzen.

Die Regierung in Tokio will die Internationale Walfangkommission bis Jahresende offiziell über den Rückzug informieren. Dieser wird damit zum 30. Juni gültig. Mit Austritt aus der IWC schließt sich Japan den beiden anderen großen Walfangnationen Island und Norwegen an, die sich offen dem Fangverbot von 1986 widersetzen.

Das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs wurde 1946 zum Schutz der Wale beschlossen. 1986 wurde der kommerzielle Walfang durch ein Moratorium international verboten.

Japan nutzt aber eine Lücke in der Vereinbarung, wonach Wale zu Forschungszwecken getötet werden dürfen. Das Land macht wissenschaftliche Gründe für den Walfang geltend, das Fleisch getöteter Wale wird aber anschließend zum Verzehr verwendet.

Japan jagt schon seit Jahrhunderten Wale. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Walfleisch eine wichtige Proteinquelle für die verarmte Bevölkerung. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Konsum von Walfleisch aber stark zurückgegangen.

AFP