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Johnson rechnet laut Tonmitschnitt mit "Zusammenbruch" der Brexit-Verhandlungen

Der britische Außenminister Boris Johnson rechnet offenbar mit einem Scheitern der Brexit-Verhandlungen.

Außenminister Johnson in der Downing Street

Außenminister Johnson in der Downing Street

Der britische Außenminister Boris Johnson rechnet offenbar mit einem Scheitern der Brexit-Verhandlungen. Bei einem Treffen mit konservativen Politikern sagte Johnson laut einer heimlichen Tonaufnahme, die dem Internetportal "BuzzFeed News" zugespielt wurde, die Verhandlungen mit Brüssel über den EU-Austritt Großbritanniens hätten nun eine "viel kämpferischere" Phase erreicht. Dabei sei auch ein "Zusammenbruch" nicht ausgeschlossen. Bewundernd äußerte sich Johnson über US-Präsident Donald Trump.

"Sie müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass es einen Zusammenbruch geben könnte, okay?", sagte Johnson dem Mitschnitt zufolge. "Ich will nicht, dass irgendjemand während des Zusammenbruchs in Panik gerät. Keine Panik. Zum Wohle der Öffentlichkeit, keine verdammte Panik. Am Ende wird alles gut."

Die "Times" zitierte Johnson zudem mit den Worten: Die Redensart, den Kampf zum Feind zu bringen, sei "absolut richtig". "Wir müssen es - und wir werden es", fügte der Minister dem Bericht zufolge hinzu.

Johnson sagte bei dem Treffen zudem, dass er US-Präsident Trump zunehmend bewundere. "Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass hinter seiner Verrücktheit Methode steckt", sagte er laut dem Mitschnitt. "Stellen Sie sich vor, Trump würde den Brexit machen. Er würde es verdammt hart angehen. Es gäbe alle möglichen Arten des Zusammenbruchs und des Chaos. Alle würden denken, er sei verrückt geworden. Aber tatsächlich kann man so etwas erreichen. Es ist ein sehr, sehr guter Gedanke."

Johnson, einer der Wortführer der Brexit-Kampagne, sprach bei dem Treffen auch über Unstimmigkeiten in der konservativen Regierung von Premierministerin Theresa May. Der Brexit werde "stattfinden" und nicht rückgängig zu machen sein, sagte Johnson. Es bestehe aber das "Risiko", dass er "nicht der sein wird, den wir wollen".

Johnson äußerte sich auch zum Streit um die künftige Grenzregelung zwischen Irland und Nordirland und die drohenden Grenzkontrollen. Das Problem sei "so klein" und die Grenze werde nur von "so wenigen Firmen" regelmäßig genutzt, dass in dieser Frage nicht "der Hund mit dem Schwanz wedeln" dürfe. Die Regierung lasse von "dieser Torheit" aber "ihre gesamte Agenda" bestimmen.

In dem Grenzstreit hatte die britische Regierung am Donnerstag einen Notfallplan für den Fall von Verzögerungen der Brexit-Verhandlungen veröffentlicht. London schlug eine zeitlich befristete Fortdauer der EU-Zollregeln an seinen Außengrenzen vor, um eine "harte Grenze" nach Brexit zu vermeiden. Diese Regelung solle spätestens 2021 enden.

Die zeitliche Beschränkung ist ein Zugeständnis von May an den europaskeptischen Flügel ihrer Regierung. Der britische Brexit-Minister David Davis hatte sich zuvor vehement gegen die Beibehaltung der europäischen Zollregeln nach dem für März 2019 angesetzten EU-Austritt ausgesprochen.

London will nach dem Brexit und einer Übergangsphase bis Ende 2020 aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion austreten. Dann droht wieder eine "harte Grenze" zwischen dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland und dem EU-Mitglied Irland mit Personen- und Warenkontrollen. Irland will eine "harte Grenze" unbedingt verhindern.

AFP

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