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Klimaaktivisten legen stundenlang Kohlebahn im rheinischen Braunkohlerevier lahm

Mit Blockaden im rheinischen Braunkohlerevier haben Klimaaktivisten am Wochenende den Tagebaubetrieb behindert und sogar vorübergehend eine Autobahnsperrung ausgelöst.

Kohlegegner blockieren die Hambachbahn

Kohlegegner blockieren die Hambachbahn

Mit Blockaden im rheinischen Braunkohlerevier haben Klimaaktivisten am Wochenende den Tagebaubetrieb behindert und sogar vorübergehend eine Autobahnsperrung ausgelöst. Dabei legten ab Samstag zeitweise tausende Kohlegegner vor allem die sogenannte Hambachbahn lahm, die RWE-Kraftwerke mit Braunkohle aus dem Tagebau versorgt. Erst am Sonntagvormittag verließ die große Mehrzahl der Klimaschützer die Gleise. Laut Polizei versuchten allerdings rund 150 verbliebene Demonstranten sich anzuketten.

In den meisten Fällen verhinderte die mit einem Großaufgebot angerückte Polizei das Anketten. Demonstranten, die auf den Gleisen bleiben wollten, wurden weggetragen. Die Mehrzahl der Kohlegegner formierte sich am Sonntagmittag zu einem Protestmarsch zurück zum Basislager des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" in Düren-Stepprath.

Bereits am Samstag hatte die Polizei nach mehreren Aktionen der Kohlegegner Strafanzeigen gegen insgesamt 400 Aktivisten erstattet. Die Staatsanwaltschaft Aachen leitete Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs ein.

Zuvor hatten demnach etwa 250 Umweltaktivisten versucht, in den rheinischen Braunkohletagebau Inden vorzudringen. Den Einsatzkräften gelang es aber nach eigenen Angaben, dies zu verhindern. Im Tagebau Hambach besetzten am Samstag 18 Kohlegegner vorübergehend einen Bagger.

Nach Angaben von "Ende Gelände" beteiligten sich insgesamt rund 6500 Demonstranten an den Protesten. Das Bündnis sprach von der "größten Massenaktion zivilen Ungehorsams der Klimagerechtigkeitsbewegung, die wir hier je gesehen haben".

Aufgrund der Proteste musste die Autobahn A4 zwischen Kerpen und Düren zeitweise gesperrt werden. Dort hatten Demonstranten nach Behördenangaben Polizeiketten durchbrochen. Die Beamten setzten einen Wasserwerfer ein. Auf der Landstraße zwischen Kerpen-Buir und Morschenich gab es eine Sitzblockade.

Ebenfalls am Samstag fand eine Solidaritätsdemo "Ende Gelände für die Kohle" in Kerpen-Buir statt. Dabei folgten mehrere tausend Menschen dem Aufruf von Umweltverbänden, wie die Naturfreunde Deutschlands erklärten.

19 Umweltverbände und entwicklungspolitische Organisationen unterzeichneten zudem eine Solidaritätserklärung mit "Ende Gelände", in der es unter anderem hieß: "Ziviler Ungehorsam gegen existenzielle Gefahren und Missstände hat eine lange und bedeutende demokratische Tradition."

Der Energiekonzern RWE kritisierte das Vorgehen der Aktivisten scharf. Es sei "nicht akzeptabel, unter dem Deckmantel des Klimaschutzes vorsätzlich Rechtsbrüche zu verüben", erklärte die RWE Power AG am Sonntag in Köln. Zudem seien "die widerrechtlichen Aktionen" gegen Einrichtungen des Unternehmens von "unverantwortlichem Leichtsinn" geprägt gewesen.

So seien trotz wiederholter Aufforderungen der Polizei und Sicherheitshinweisen des Unternehmens sogar Eltern mit Kleinkindern bis an die steile Böschungskante des Tagebaus Hambach vorgedrungen. Sowohl vor als auch während der Proteste seien zahlreiche betriebliche Maßnahmen getroffen worden, um auf die Risiken aufmerksam zu machen, die mit einem widerrechtlichen Betreten des Betriebsgeländes verbunden seien.

Auswirkungen auf die Stromproduktion hatten die Aktionen laut RWE zwar nicht. Dessen ungeachtet sei dem Unternehmen "ein größerer wirtschaftlicher Schaden" entstanden.

Mit seinen bis Montag dauernden Protestaktionen macht das Bündnis "Ende Gelände" zum wiederholten Mal im rheinischen Tagebaugebiet Front gegen die Kohleverstromung. Die Aktivisten fordern einen sofortigen Kohleausstieg und ein "Zeichen für Klimagerechtigkeit". RWE und die Regierung klammerten sich "an eine zerstörerische Technologie von gestern", erklärte eine Sprecherin von "Ende Gelände".

AFP

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