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Konjunkturexperten befürchten wegen Corona-Krise Rezession in Deutschland

Am Montag waren die Börsenkurse nach unten gerauscht
Am Montag waren die Börsenkurse nach unten gerauscht
© © 2020 AFP
Konjunkturexperten sehen angesichts der Coronavirus-Krise die Gefahr, dass Deutschland in diesem Jahr in eine Rezession abgleitet.

Konjunkturexperten sehen angesichts der Coronavirus-Krise die Gefahr, dass Deutschland in diesem Jahr in eine Rezession abgleitet. Erhebliche Auswirkungen gibt es vor allem in den Branchen für Tourismus, Messe und Veranstaltungen, sowie Hotels und Gaststätten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht die Wirtschaft in einer "ernsten" Lage.

Das Virus scheine die deutsche Wirtschaft nach den vorliegenden Zahlen "recht kräftig zu erfassen", sagte der Leiter der DIW-Abteilung für Konjunkturpolitik, Claus Michelsen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Dienstag. Zugleich machte er deutlich, dass er auch Auswirkungen auf die Beschäftigungslage erwartet. Wahrscheinlich werde in der Industrie zwar die Stammbelegschaft gehalten werden können, aber kaum mehr Zeitarbeit nachgefragt werden. "Im Bereich der Dienstleistungen ist auch ein Stellenabbau denkbar", sagte er.

Der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, kritisierte unterdessen die Beschlüsse des Koalitionsausschusses, der sich in der Nacht zum Montag auf Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld und eine Verstärkung der Investitionen um 12,4 Milliarden Euro bis 2024 geeinigt hatte. Zudem will die Bundesregierung noch Vorschläge für Liquiditätshilfen für Unternehmen unterbreiten, die besonders von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind. Angesichts der Risikolage sei die Koalition "zu kurz gesprungen", sagte Hüther der "Passauer Neuen Presse".

Auch Ifo-Chef Clemens Fuest forderte die Bundesregierung auf, ihre Hilfen für die Wirtschaft zu verstärken. Die bisherigen Maßnahmen gingen in die richtige Richtung, doch müsse "mehr getan werden", sagte Fuest der "Augsburger Allgemeinen". Die betroffenen Branchen bräuchten erhebliche Liquiditätshilfen, damit die Krise nicht Unternehmen in die Insolvenz treibe, deren Geschäftsmodell eigentlich gesund sei.

Laut Fuest "spricht einiges dafür, dass eine Rezession bevorsteht". Dies hänge sehr davon ab, wie sich die Epidemie weiter entwickle.

Der wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Reinhard Houben, warnte, viele Unternehmen stünden vor "massiven Liquiditätsproblemen". Nötig sei deshalb schnelle Hilfe. "Dazu zählen insbesondere die Stundung von Steuervorauszahlungen und Voranmeldungen sowie die Abschaffung der Vorauszahlung von Sozialversicherungsbeiträgen."

Grünen-Fraktionschef Hofreiter mahnte "klare Regelungen für schnelle Liquiditätshilfen und Steuerstundungen" an. Nötig seien zudem auch unabhängig von der Sorge vor dem Corona-Virus "deutlich mehr Investitionen".

Der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) appellierte an die Bundespolitik, separate Wirtschaftsfördermaßnahmen gezielt für die Touristik zu schaffen. Nötig sei zudem, dass die Unternehmen schnell und unbürokratisch an die Hilfen kämen.

Altmaier betonte nach einem Treffen mit den Wirtschaftsministern der Bundesländer, es gebe "erhebliche" Auswirkungen insbesondere in den Branchen für Tourismus, Messe und Veranstaltungen, Hotels und Gaststätten. Zudem würden Auswirkungen auf Lieferketten vor allem im industriell-gewerblichen Bereich erwartet, deren Tragweite erst in den kommenden Wochen sichtbar werde.

Betroffen seien nicht nur große Unternehmen, sondern auch der Mittelstand, sagte Altmaier. Er sei sich mit seinen Länderkollegen einig gewesen, dass von dem Treffen das "klare Signal" ausgehen solle, dass "wir auf die wirtschaftlichen Folgen dieser Situation vorbereitet sind" und "dass wir die Unternehmen nicht im Stich lassen werden". Ziel sei, dass "möglichst kein Unternehmen" wegen der Corona-Epidemie in Insolvenz gehen müsse und keine Arbeitsplätze verloren gingen.

AFP

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