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Kreml gratuliert "mutigem" Nobelpreisträger Muratow

Journalist und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow
Journalist und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow
© © 2021 AFP
Der Kreml hat dem diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises, dem russischen Journalisten Dmitri Muratow, zu seiner Auszeichnung gratuliert.

Der Kreml hat dem diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises, dem russischen Journalisten Dmitri Muratow, zu seiner Auszeichnung gratuliert. "Er ist talentiert, er ist mutig", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Muratow hob seinerseits hervor, die Auszeichnung gelte seiner Zeitung "Nowaja Gaseta" und den wegen ihrer kritischen Berichterstattung in Russland getöteten Journalisten.

Die Investigativ-Zeitung "Nowaja Gaseta" zählt zu den wichtigsten unabhängigen Medien Russlands und ist auch für ihre Kritik an Präsident Wladimir Putin bekannt. Offenbar im Zusammenhang mit den Recherchen der Zeitung wurden bereits mehrfach Attacken und Mordanschläge verübt, darunter der tödliche Angriff 2006 auf die Journalistin Anna Politkowskaja. Die damals 48-jährige Politkowskaja war am 7. Oktober im Aufzug ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Ihr Todestag fällt mit dem Geburtstag von Russlands Präsident Wladimir Putin zusammen. Seit Gründung der Zeitung 1993 wurden sechs ihrer Mitarbeiter getötet.

Die mehrfach ausgezeichnete Politkowskaja gehörte zu den wenigen Journalisten, die über Menschenrechtsverstöße während des Tschetschenien-Krieges berichteten. Die Arbeit der russischen Ermittlungsbehörden in ihrem Mordfall wurde international scharf kritisiert, ihnen wurde ein mangelnder Aufklärungswille vorgeworfen. Bis heute sind die Drahtzieher des Mordes nicht ermittelt.

Zuletzt hatte die Zeitung an den Enthüllungen im Zuge der Pandora Papers mitgearbeitet. In den Recherchen tauchen zahlreiche enge Vertraute von Präsident Putin auf, die mithilfe von Briefkastenfirmen ihre teils enormen und vor allem unerklärlichen Reichtümer verschleiert haben sollen.

Das Nobelkomitee verwies in seiner Begründung zur Vergabe es Friedensnobelpreises unter anderem auf die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen für kritische Journalisten in Russland und anderen Ländern. In den vergangenen Monaten hatten die russischen Behörden mit Blick auf die Parlamentswahl im September ihr Vorgehen gegen unabhängige Medien und kremlkritische Nichtregierungsorganisationen deutlich verschärft. Das Nobelkomitee hatte zusammen mit Muratow auch die Journalistin Maria Ressa von den Philippinen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

AFP

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