HOME

Lidl nimmt sich Zuckerreduzierung in Getränken und Backwaren vor

Der Discounter Lidl nimmt sich im Rahmen seiner Strategie zur Reduzierung von Zucker und Salz nun Getränke und Backwaren vor.

Gläser mit zuckerhaltigen Getränken

Gläser mit zuckerhaltigen Getränken

Der Discounter Lidl nimmt sich im Rahmen seiner Strategie zur Reduzierung von Zucker und Salz nun Getränke und Backwaren vor. "In den kommenden Wochen" würden in den Filialen weitere zuckerreduzierte Produkte erhältlich sein, darunter Cola und Eistee, erklärte Lidl am Donnerstag. Die SPD appellierte an die Getränkehersteller, freiwillig den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken, die Linke forderte eine Kennzeichnung nach dem Ampelprinzip auf Lebensmitteln.

Das Thema Zucker in Getränken und Lebensmitteln hatte durch den am Mittwoch präsentierten Coca-Cola-Report von Foodwatch erneut Auftrieb erhalten. Darin gibt die Verbraucherorganisation dem Konzern eine Mitverantwortung für die Ausbreitung chronischer Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes. Foodwatch fordert unter anderem eine Herstellerabgabe auf besonders zuckerhaltige Getränke, wie es sie in anderen Ländern bereits gibt.

Viele Händler und Hersteller werden bereits selbst aktiv. Lidl erklärte, derzeit in Erfrischungsgetränken wie Cola und Eistee den Zuckergehalt in einem ersten Schritt "um fünf bis acht Prozent" zu senken. Außerdem werde der Zuckeranteil in 20 Süßgebäck-Artikeln und einigen Backwaren-Produkten wie gefüllten Croissants überarbeitet, erklärte eine Sprecherin. Über die aktuellen Pläne hatte zuerst die "Wirtschaftswoche" berichtet.

Bei den Molkereiprodukten werde derzeit "jeder Joghurt" überarbeitet, hieß es weiter. Lidl wolle den Zucker "sukzessive" reduzieren, damit sich Kunden an die veränderte Rezeptur gewöhnen könnten und geschmacklich keinen Unterschied merkten. Lidl hatte Anfang vergangenen Jahres eine Reduktionsstrategie beschlossen und will bis 2025 den Zucker- und Salzanteil in eigenen Produkten um 20 Prozent reduzieren. Begonnen hatte Lidl mit Frühstücksflocken. Bei Salz stehen Produkte wie Chips und Fertiggerichte im Vordergrund.

Der "Wirtschaftswoche" zufolge will auch der Handelskonzern Rewe im Laufe des Jahres rund 100 zuckerreduzierte Eigenmarkenprodukte anbieten. Der Getränkehersteller Eckes-Granini will demnach den Anteil zugesetzten Zuckers in seinen Produkten bis 2020 um zehn Prozent senken. Für Hersteller von Markenprodukten, etwa Dr. Oetker und Bahlsen, sei das Thema ebenfalls interessant und stehe auf der Agenda.

Die SPD-Ernährungsexpertin Ursula Schulte erklärte, es sei "keine neue Erkenntnis", dass etwa Brause und Eistee die Entwicklung kindlicher Fettleibigkeit befördern könne. Deshalb müssten die "großen Getränkehersteller freiwillig" den Zuckeranteil spürbar reduzieren. Wichtig seien unter anderem auch Präventions- und Marketingmaßnahmen für ungesüßte Getränke und Wasser sowie Aufstellverbote für Verkaufsautomaten mit zuckerhaltigen Getränken in Schulen.

Die Linken-Verbraucherexpertin Amira Mohamed Ali forderte eine Ampelkennzeichnung für den Gehalt von Zucker, Salz und Fett auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. Daneben sei auch "dringend mehr Aufklärung" nötig. Das Thema gesunde Ernährung gehöre auf den Stundenplan an Schulen, erklärte die Linken-Politikerin.

AFP

Das könnte sie auch interessieren

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?