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London warnt nach "Sabotageakten" gegen Tanker vor Eskalation in Golf-Region

Vor dem Hintergrund des Konflikts um das Atomabkommen mit dem Iran hat Großbritannien vor einer unbeabsichtigten Eskalation in der Golf-Region gewarnt.

Saudischer Tanker "Amdschad" angeblich Ziel von "Sabotageakt"

Saudischer Tanker "Amdschad" angeblich Ziel von "Sabotageakt"

Vor dem Hintergrund des Konflikts um das Atomabkommen mit dem Iran hat Großbritannien vor einer unbeabsichtigten Eskalation in der Golf-Region gewarnt. "Wir sind sehr besorgt über die Gefahr, dass ein Konflikt aus Versehen ausgelöst werden könnte", sagte der britische Außenminister Jeremy Hunt am Montag. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zuvor von "Sabotageakten" gegen Handelsschiffe berichtet. US-Außenminister Mike Pompeo reiste kurzfristig nach Brüssel, um mit den Europäern über den Iran zu sprechen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien meldeten Sabotagefälle gegen Tanker und Handelsschiffe vor der Golfküste der Emirate auf der Seite des Arabischen Meers. "Vier kommerzielle, zivile Handelsschiffe unterschiedlicher Nationalitäten" seien am Sonntagmorgen "Sabotageakten" vor der Küste des Emirats Fudschaira im Nordosten des Landes ausgesetzt gewesen, teilte das Außenministerium in Abu Dhabi mit.

Nach Angaben Riads stammten zwei der attackierten Schiffe aus Saudi-Arabien. Die beiden Öltanker seien bei dem "Sabotageakt" erheblich beschädigt worden, sagte Energieminister Chalid al-Falih der Nachrichtenagentur SPA. Weder Saudi-Arabien noch die Emirate machten genaue Angaben zur Art der Vorfälle.

Die iranische Regierung bezeichnete diese als "alarmierend" und forderte eine Untersuchung. Ein Sprecher des Außenamts warnte vor "Abenteurertum ausländischer Akteure". Solche Vorfälle hätten "negative" Auswirkungen auf die Schifffahrt im Golf, über den ein Großteil der Ölexporte der Region laufe. Der Iran hat wiederholt mit der Sperrung der Meerenge von Hormus gedroht, sollte es zu einer Konfrontation mit den USA kommen.

Die USA waren vor einem Jahr einseitig aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. Teheran hatte vergangene Woche angekündigt, bestimmte Auflagen aus der Vereinbarung nicht mehr einzuhalten und binnen 60 Tagen mit weiteren Schritten gedroht. Washington verschärfte daraufhin seine Sanktionen gegen Teheran und verlegte Kriegsschiffe und Langstreckenbomber in die Region.

Die EU-Außenminister berieten am Montag in Brüssel über die Lage. Teheran dürfe sich "nicht Stück für Stück" aus dem Atomabkommen zurückziehen, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). Vor Pompeos Visite betonte er zugleich, auch die Europäer sähen die Rolle des Iran in Syrien und sein Programm zum Bau ballistischer Raketen kritisch.

Pompeo traf am Mittag in Brüssel ein. Sein Ministerium hatte den Zwischenstopp auf einer Reise nach Moskau kurzfristig angekündigt. Demnach wollte Pompeo am Rande des EU-Außenministertreffens mit Vertretern aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien über den Iran beraten.

Die drei EU-Länder sind Mitunterzeichner des Atomabkommens von 2015. Es soll den Iran am Bau von Atomwaffen hindern. Teheran hat sich dabei verpflichtet, seine Urananreicherung drastisch zurückzufahren und verschärfte internationale Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug wurden schrittweise die Wirtschaftssanktionen gegen das Land aufgehoben.

Nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen hatten die Europäer versucht, die Auswirkungen der gleichzeitig wiedereingeführten US-Sanktionen abzumildern. Dies gelang aber bisher nicht. Frankreichs Außenminister Yves Le Drian kritisierte in Brüssel den Kurs Washingtons, "Druck und Sanktionen zu erhöhen". Hunt forderte eine "Zeit der Ruhe", um die Lage zu entspannen.

AFP

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