HOME

Machtkampf im westafrikanischen Gambia eskaliert

Der Kampf um die Macht im westafrikanischen Gambia eskaliert: Das Nachbarland Senegal erklärte am Mittwoch seine Bereitschaft zur militärischen Intervention in Gambia, wo der abgewählte Präsident

Jammeh geht ins Exil

Jammeh geht ins Exil

Der Kampf um die Macht im westafrikanischen eskaliert: Das Nachbarland Senegal erklärte am Mittwoch seine Bereitschaft zur militärischen Intervention in Gambia, wo der abgewählte Präsident Yahya Jammeh kurz vor Ablauf seiner Amtszeit den Ausnahmezustand verhängt hatte. Senegal legte zudem im UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vor, wonach die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) einen friedlichen Machtwechsel in Gambia mit "allen erforderlichen Maßnahmen" ermöglichen soll.

, dessen Amtszeit am Mittwoch um Mitternacht endet, begründete die Verhängung des Ausnahmezustands im Staatsfernsehen mit einer "beispiellosen und außergewöhnlichen ausländischen Einmischung" in die Präsidentschaftswahl vom 1. Dezember. Er beklagte zudem, dass eine "ungerechtfertigte feindliche Stimmung" Souveränität, Frieden und Stabilität des Landes bedrohe. Die Sicherheitskräfte wies Jammeh an, für Ordnung zu sorgen.

Ein Sprecher der senegalesischen Armee sagte, Truppen seien unterwegs zur Grenze mit Gambia. Sie seien bereit, im Nachbarland einzugreifen. Das Staatsgebiet Gambias wird - bis auf die Küste - komplett von umschlossen.

Die westafrikanische Regionalmacht Nigeria schickte 200 Soldaten in die senegalesische Hauptstadt Dakar. Dazu kämen Transportflugzeuge, ein Kampfjet, ein Überwachungs- und Aufklärungsflugzeug sowie ein Hubschrauber, wie die nigerianische Luftwaffe mitteilte.

Als Vermittler in dem Konflikt reiste der mauretanische Präsident Mohammed Ould Abdel Aziz in die gambische Hauptstadt Banjul. Die US-Regierung forderte den 51-jährigen Gambier zu einer "friedlichen Amtsübergabe" auf. US-Außenamtssprecher John Kirby sagte, noch könne Jammeh sein Amt "erhobenen Hauptes" verlassen und politisches Chaos vermeiden. Marokko bot Jammeh Asyl an, sollte er sein Amt aufgeben und das Land verlassen.

Bei der Wahl hatte Jammeh gegen den Oppositionellen verloren und dies zunächst auch anerkannt. Eine Woche später verlangte er aber plötzlich eine Wiederholung der Wahl und reichte beim Obersten Gericht eine Klage gegen das Wahlergebnis ein.

Am Donnerstag sollte Barrow sein Amt antreten. Er hielt sich seit Sonntag auf Wunsch der in Erwartung seiner Amtseinführung im Senegal auf. James Gomez, ein Mitglied der gambischen Koalition, die Barrow unterstützt, versicherte, anlässlich der Vereidigung werde es eine "große Zeremonie" geben. Der Ort der Veranstaltung liege "in den Händen der Ecowas".

Barrows Berater Mai Fatty bezeichnete die Verhängung des Ausnahmezustands als "illegal". Wenn Jammeh nicht fristgerecht zurücktrete, stehe er "außerhalb des Gesetzes" und werde entsprechend behandelt.

Am Mittwoch trat Jammehs Stellvertreterin Isatou Njie Saidy von ihrem Posten zurück, zuvor hatten bereits mehrere Minister ihren Rücktritt erklärt. Unterdessen wuchs die Zahl der Gambier, die in Richtung Senegal, Guinea-Bissau und Guinea außer Landes flohen.

Jammeh regiert den kleinen Staat seit 22 Jahren autokratisch. Er hatte sich 1994 an die Macht geputscht und wurde seitdem stets wiedergewählt. Nichtregierungsorganisationen werfen der Regierung unter Jammeh schwere Menschenrechtsverletzungen vor, darunter willkürliche Inhaftierungen und die Einschüchterung von Journalisten. Mit Barrow hatte die Opposition erstmals einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor Reisen nach Gambia. Das britische Außenministerium warnte auf seiner Website, dass die Gefahr einer "militärischen Intervention und zivilen Ungehorsams" hoch sei. Ähnlich äußerte sich das niederländische Außenamt. Von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Gambia wurde abgeraten.

Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook teilte mit, es seien Vorkehrungen getroffen worden, um alle britischen Gambia-Touristen nach Hause zu holen. Bis zu 3500 Reisende sollten so schnell wie möglich vom Flughafen Banjul außer Landes gebracht werden, TUI Niederlande wollte etwa 800 Kunden zurückbringen.

AFP