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Mehr als 5000 Demonstranten legen Hongkonger Flughafen lahm

Tausende regierungskritische Demonstranten haben am Montag den Hongkonger Flughafen lahmgelegt. Mehr als 5000 Menschen protestierten dort nach Behördenangaben gegen Polizeigewalt.

5000 Menschen demonstrieren am Hongkonger Flughafen

5000 Menschen demonstrieren am Hongkonger Flughafen

Tausende regierungskritische Demonstranten haben am Montag den Hongkonger Flughafen lahmgelegt. Mehr als 5000 Menschen protestierten dort nach Behördenangaben gegen Polizeigewalt. Die Flughafenverwaltung strich für den Rest des Tages sämtliche Flüge. Die chinesische Regierung verurteilte indes gewaltsame Ausschreitungen bei den Protesten in der Sonderverwaltungszone als "Terrorismus".

Durch die Proteste werde der Flugverkehr "ernsthaft gestört", begründete die Verwaltung das Streichen aller Flüge. Der Hongkonger Flughafen zählt zu den wichtigsten Drehkreuzen der Welt. Die Verwaltung rief Passagiere und Besucher auf, den Flughafen zu meiden. Zuvor waren bereits drei Tage lang Sitzblockaden abgehalten worden, bei denen Demonstranten den Fluggästen die Beweggründe für die Proteste erläuterten.

Aktivisten hielten Schilder mit der Aufschrift "Hongkong ist nicht sicher" und "Schande über die Polizei" in die Höhe. Sie werfen den Sicherheitskräften vor, zunehmend gewaltsam und mit unverhältnismäßigen Methoden gegen Demonstranten vorzugehen.

Am Wochenende hatten erneut tausende Menschen in Hongkong gegen die pekingtreue Regierung protestiert. Dabei setzte die Polizei Tränengas unter anderem in U-Bahnstationen ein. Offenbar mischten sich zudem Zivilbeamte in den für die Demonstranten typischen schwarzen T-Shirts unter die Menge und nahmen Teilnehmer fest. Einige Demonstranten bewarfen die Beamten mit Steinen und setzten sich mit Feuerlöschern und Wasserschläuchen zur Wehr.

Nach Angaben der Regierung wurden insgesamt 45 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Unter anderem trug eine Frau schwere Verletzungen im Gesicht davon. Bilder der Frau, die blutend auf dem Boden liegt, wurden rasch im Internet verbreitet und waren später auch auf Protestplakaten zu sehen.

Als Zeichen der Solidarität trugen viele der Demonstranten am Flughafen Augenklappen oder Bandagen im Gesicht. "Es wird immer gefährlicher, aber wenn wir jetzt nicht mehr rausgehen, wird unsere Zukunft beängstigender und wir verlieren unsere Freiheiten", sagte eine 22-jährige Aktivistin.

Die Hongkonger Regierung warnte vor wirtschaftlichem Chaos durch die Proteste. Die Stadt werde einen "hohen Preis" für die Schließung des Flughafens zahlen, sagte Verkehrsminister Frank Chan.

Unterdessen wurde der Ton aus Peking noch schärfer. Der Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats verurteilte einzelne Angriffe mit Benzinbomben auf Polizisten während der vergangenen Proteste. "Radikale Demonstranten" hätten wiederholt Sicherheitskräfte mit "äußerst gefährlichen Gegenständen" angegriffen, sagte Yang Guang. Dies sei "ein schweres Gewaltverbrechen" und zeige "erste Anzeichen von Terrorismus".

Chinesischen Medienberichten zufolge entsandte das chinesische Militär gut zwei Dutzend gepanzerte Truppentransporter und andere Militärfahrzeuge nach Shenzhen, eine Stadt an der Grenze zu Hongkong. Dort sollten "groß angelegte Übungen" stattfinden, berichtete die "Global Times".

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific drohte Unterstützern der Proteste auf Druck Chinas derweil mit Entlassung. Beschäftigten, die "illegale Demonstrationen unterstützen oder daran teilnehmen", könne gekündigt werden, erklärte Cathay Pacific. Chinas Luftfahrtbehörde hatte die Airline am Freitag angewiesen, Teilnehmer der Proteste weder auf Flügen Richtung Festland-China noch durch den chinesischen Luftraum einzusetzen.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Hongkong-Reisenden, Demonstrationen und Menschenansammlungen weiträumig zu meiden und den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte zu folgen.

Die seit zehn Wochen andauernden Proteste in der ehemaligen britischen Kronkolonie waren ursprünglich durch ein - später auf Eis gelegtes - Auslieferungsgesetz ausgelöst worden, das die Überstellung von Verdächtigen an Festland-China erlaubt hätte. Die Demonstrationen weiteten sich danach zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in Hongkong und für mehr Demokratie aus.

AFP