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Münchner Museum gibt Überreste von australischem Ureinwohner zurück

Nach rund 130 Jahren in einem Münchner Museum sind die sterblichen Überreste eines australischen Ureinwohners am Dienstag an seine Nachfahrengemeinschaft zurückgegeben worden.

GERMANY - AUSTRALIA - INDIGENOUS - RELIGION - HISTORY

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Nach rund 130 Jahren in einem Münchner Museum sind die sterblichen Überreste eines australischen Ureinwohners am Dienstag an seine Nachfahrengemeinschaft zurückgegeben worden. Eine Delegation nahm die Gebeine bei einer feierlichen Zeremonie im staatlichen Museum Fünf Kontinente entgegen, wie das bayerische Wissenschaftsministerium mitteilte. In den folgenden Tagen sollen weitere größere Rückgabeaktionen in Stuttgart und Berlin folgen.

Die sterblichen Überreste des Aborigines-Ältesten waren 1889 in das Museum gebracht worden. Die Rückkehr des hoch angesehenen Ahnen der sogenannten Gimuy-Walubara-Yidindji-Gemeinschaft sei ein "sehr wichtiges Ereignis", sagte deren Vertreter Gudju Gudju bei der Veranstaltung, an der auch die australische Botschafterin Lynette Wood teilnahm. Die Rückkehr tue dem Land und den Menschen "gut".

Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) sprach von einem "Tag der Gerechtigkeit", an dem "koloniale Verletzungen" geheilt werden könnten. Auch in Deutschland müsse die Kolonialzeit aufgearbeitet werden. Zugleich äußerte Sibler die Hoffnung, dass die Rückkehr und die Erforschung des Toten zum "gegenseitigen Verständnis und zur Aussöhnung der Kulturen beitragen" könnten.

In den kommenden Tagen sollen in Stuttgart und Berlin weitere 52 sterbliche Überreste von indigenen Australiern übergeben werden, die einst von Museen und Universitäten für Kolonialsammlungen angeschafft wurden. Nach Angaben der australischen Regierung handelt es sich dabei um die bislang größte Restitutionsaktion für in Deutschland lagernde Gebeine von australischen Ureinwohnern.

Rückführungsbemühen zwischen Australien und Deutschland laufen seit Jahren. Zuvor waren bereits historische Gebeine von 51 Menschen an ihre jeweiligen Gemeinschaften zurückzugeben worden, um sie würdig nach Australien zurückzubringen. Unter anderem übergab das Berliner Universitätskrankenhaus Charité 2013 Skelettteile von 33 Menschen.

Die Restitution der Toten sei für Australien "unglaublich wichtig", sagte Botschafterin Wood am Dienstag in München. Zugleich sei es eine sehr komplexe Aufgabe, weil die Herkunft der Gebeine aufwändig rekonstruiert werden müsse, um deren Herkunftsgemeinschaften zu identifizieren. Bei den Gebeinen aus München sei es gelungen. Was mit den zurückgeführten Toten in der Heimat geschehe, entscheide deren Gemeinschaft. Dabei gingen diese unterschiedlich vor.

Der Leichnam des bestatteten angesehen Ältesten der Gimuy-Walubara-Yidindji-Gemeinschaft wurde nach Angaben der bayerischen Regierung 1876 in der Provinz Queensland von einer Forschungsexpedition unter deutscher Beteiligung gefunden und mitgenommen, wobei mutmaßlich die Begräbnisriten der Gemeinschaft gestört wurden. Mehr als zehn Jahre später wurden die Gebeine dem Chef des Vorläufers des Museums Fünf Kontinente bei einer Australienreise als eine Spende übergeben.

Dieser brachte sie 1889 nach München in seine Einrichtung, in der sie mit anderen Exponaten als exotische vermeintliche "Kuriosität" ausgestellt wurden. Nach 1922 finden sich aber keine Nachweise mehr für eine öffentliche Präsentation, die Gebeine verschwanden in den Museumsbeständen. Die Erforschung der Herkunft von Sammlungsgütern wie diesen sei "zentrale kulturpolitische Aufgabe", betonte Sibler.

Am Freitag sollen in Stuttgart Gebeine von zehn weiteren indigenen Australiern an ihre Herkunftsgemeinschaften übergeben werden, die einem Museum und der Universität Freiburg gehörten. Ferner wird am Montag in Berlin die Rückgabe von 42 sterblichen Überresten aus staatlichen ethnografischen Sammlungen in Sachsen und der Universität Halle-Wittenberg in Sachsen-Anhalt gefeiert.

Die australischen Ureinwohner leben bereits seit 50.000 Jahren auf dem Kontinent, wurden aber nach der Ankunft weißer Siedler vor etwa 200 Jahren aus ihren Siedlungsgebieten vertrieben. Widerstand wurde gewaltsam gebrochen, zehntausende Männer, Frauen und Kinder getötet.

Nach Angaben von Gudju Gudju befindet sich seine Gemeinschaft seit etwa 20 Jahren weltweit auf der Suche nach den Gebeinen von Ahnen, die westliche Abenteurer und Forscher einst an sich brachten. Rund 20 Vorfahren hätten dabei bislang ausfindig gemacht werden können.

AFP