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Naturschutzunion: Fast alle Lemuren-Arten vom Aussterben bedroht

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© © 2020 AFP
Madagaskars berühmteste Säugetiere, die Lemuren, gehören zu den jüngsten Opfern des weltweiten Artensterbens: 103 der 107 noch existierenden Arten der putzigen Primaten mit den riesigen Augen sind

Madagaskars berühmteste Säugetiere, die Lemuren, gehören zu den jüngsten Opfern des weltweiten Artensterbens: 103 der 107 noch existierenden Arten der putzigen Primaten mit den riesigen Augen sind nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN inzwischen gefährdet, 33 Arten stehen bereits kurz vor dem Aussterben. Auf ihrer Roten Liste der bedrohten Arten stehen seit Donnerstag auch der Atlantische Nordkaper, eine im Nordatlantik verbreitete Art der Glattwale - und der Feldhamster.

Die aktualisierte Rote Liste der IUCN umfasst nun 120.372 Tier- und Pflanzenarten, davon ein Viertel in den höchsten Gefährdungskategorien. Die Nichtregierungsorganisation rief eindringlich zu einem anderen Umgang des Menschen mit der Natur auf. Die Liste zeige einmal mehr, dass der "Homo sapiens seine Beziehungen zu anderen Primaten und der Natur im allgemeinen drastisch ändern muss", sagte die amtierende IUCN-Generaldirektorin Grethel Aguilar.

Die Lemuren gehören zu den "Schätzen" von Madagaskars einzigartiger Flora und Fauna. Der arme Inselstaat vor der Ostküste Afrikas schafft es jedoch nicht, sie vor der zunehmenden Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums, vor Wilderern und illegalen Tierhändlern zu schützen. Allein zwischen 1950 und 2000 sind mehr als 40 Prozent von Madagaskars Wäldern verschwunden. Zu den extrem gefährdeten Lemuren-Spezies gehört auch Madame Berthes Mausmaki, der mit zehn Zentimetern Länge kleinste Primat der Welt.

Vom Atlantischen Nordkaper gab es laut IUCN Ende 2018 weniger als 250 erwachsene Exemplare - das entspricht einem Rückgang von 15 Prozent verglichen zum Jahr 2011. Der Klimawandel scheint die Tiere demnach während des Sommers immer weiter nördlich in den Sankt-Lorenz-Golf vor Kanada zu treiben, wo sie Gefahr laufen, von Schiffen angefahren zu werden oder sich in den Seilen der Krabbenfangkäfige zu verfangen.

Darüberhinaus scheint es Probleme mit der Fortpflanzung zu geben - ein Faktor, der auch die Zahl der Feldhamster stetig zurückgehen lässt: Bekam ein Hamsterweibchen im vergangenen Jahrhundert noch durchschnittlich 20 Junge im Jahr, sind es inzwischen nur noch fünf oder sechs. Aus drei Viertel seines ursprünglichen Lebensraum im Elsass sei er inzwischen verschwunden sowie aus 75 Prozent seiner Reviere in Osteuropa, berichtete die IUCN.

Eine eindeutige Ursache für die Entwicklung gibt es nicht, doch Studien sehen einen Zusammenhang mit der fortschreitenden Industrialisierung, der Klimaerwärmung sowie vor allem der intensiven Landwirtschaft mit ihren Monokulturen: 2017 warnte das Umweltschutz-Forschungszentrum im Elsass davor, dass die Ernährung der Feldhamster durch die Umwandlung weiter Landstriche in Mais- und Getreidefelder so einseitig und nährstoffarm geworden sei, dass sie ihren eigenen Nachwuchs fräßen.

Angesichts der alarmierenden Neuzugänge auf der Roten Liste sprach der für den Naturschutz zuständige Vertreter des WWF Deutschland, Christoph Heinrich, vom "größten Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier". Er rief die Bundesregierung auf, im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft dafür zu sorgen, "dass 30 Prozent der Land- und Meeresfläche der EU innerhalb des kommenden Jahrzehnts einen Schutzstatus erhalten und 15 Prozent der EU-Fläche an zerstörter Natur wiederhergestellt werden".

AFP

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