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Nestlé führt Lebensmittelampel in Europa ein - aber vorerst nicht in Deutschland

In der Debatte über die Kennzeichnung von Lebensmitteln wächst in der Industrie die Bereitschaft zu einer farbigen Ampelkennzeichnung.

Nutri-Score auf Joghurt

Nutri-Score auf Joghurt

In der Debatte über die Kennzeichnung von Lebensmitteln wächst in der Industrie die Bereitschaft zu einer farbigen Ampelkennzeichnung. Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé kündigte am Mittwoch an, in Europa künftig auf den von Verbraucherschützern geforderten Nutriscore zu setzen. In Deutschland, wo Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) zunächst noch eine Verbraucherbefragung über verschiedene Modelle abhalten will, solle mit der Umsetzung allerdings erst begonnen werden, "sofern die rechtlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen werden".

Der Nutriscore ist ein farbcodiertes System mit einer Skala von A (gesündere Wahl) bis E (weniger gesunde Wahl). Nestlés Europachef Marco Settembri erklärte, wissenschaftliche Erkenntnisse und die zunehmende gesellschaftliche Unterstützung zeigten, dass Nutriscore "eine Lösung ist, die in Kontinentaleuropa funktioniert".

Die Gesundheitsbehörden in Frankreich, Belgien und der Schweiz empfahlen bereits die Verwendung dieses Systems. Wie ein Nestlé-Sprecher sagte, wird das Unternehmen in diesen Ländern nun mit der schrittweisen Einführung der Lebensmittelampel beginnen.

Einige weitere Länder haben laut Nestlé ihre Absicht bekundet, dem Beispiel zu folgen. Sobald diese dann konkrete gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen hätten, werde das Unternehmen auch dort nach und nach den Farbcode auf seine Verpackungen drucken. Das gelte auch für Deutschland.

Verbraucherschutzverbände plädieren seit langem für ein Ampelsystem. Der Branchenverband der Nahrungsmittelindustrie BLL drängt hingegen darauf, dass Lebensmittel nicht in gut und schlecht unterteilt werden sollten - Ampelfarben seien angesichts unterschiedlicher Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben abzulehnen.

Klöckner hatte zuletzt darauf gepocht, dass Verbraucher in einer Befragung in diesem Sommer "entscheidend" miteinbezogen werden, da jedes Kennzeichnungssystem Vor- und Nachteile habe. Sie hatte zudem von Wissenschaftlern des staatlichen Max-Rubner-Instituts (MRI) eine eigene Kennzeichnung entwickeln lassen. Über welche Modelle nun abgestimmt wird, will das Ministerium am Donnerstag entscheiden.

Eine Sprecherin Klöckners betonte am Mittwoch, dass die Vorbereitungen für die Einführung eines freiwilligen Systems in Deutschland laufen. Klöckner setze sich zudem seit geraumer Zeit bei der EU-Kommission für eine europaweit einheitliche Kennzeichnung ein, was ihrer Meinung nach die beste Lösung sei. Grundsätzlich begrüße die Ministerin jede freiwillige Initiative, die zu mehr Transparenz für Verbraucher führe und über reine Werbebotschaften hinausgehe.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch warf Klöckner indes "verbraucherpolitisches Versagen" vor. Nestlé wolle "freiwillig" die Nutriscore-Ampel auf seine Produkte drucken - "darf das in Deutschland aber nicht, solange Julia Klöckner nicht die rechtliche Grundlage dafür schafft", kritisierte Luise Molling von Foodwatch.

Klöckner müsse nun die Nutzung des Nutriscore bei der Europäischen Kommission anmelden, um die Rechtsunsicherheit für Unternehmen zu beenden. In Deutschland hatten bereits einige Hersteller damit begonnen, ihre Produkte mit dem Nutriscore zu kennzeichnen. Dem Tiefkühlhersteller Iglo wurde im April allerdings die Verwendung der Lebensmittelampel vorläufig gerichtlich untersagt.

AFP