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Neuseeland stoppt Verkauf halbautomatischer Waffen

Neuseeland stoppt nach den Anschlägen auf zwei Moscheen mit 50 Toten den Verkauf von halbautomatischen Waffen und Sturmgewehren.

Premierministerin Jacinda Ardern bei der Ankündigung des Gesetzes

Premierministerin Jacinda Ardern bei der Ankündigung des Gesetzes

Neuseeland stoppt nach den Anschlägen auf zwei Moscheen mit 50 Toten den Verkauf von halbautomatischen Waffen und Sturmgewehren. Premierministerin Jacinda Ardern kündigte am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz an. Ein Rückkaufprogramm soll außerdem die Zahl der Waffen in Privatbesitz reduzieren.

"In Kürze wird jede halbautomatische Waffe, wie sie bei dem Terrorangriff am Freitag benutzt wurde, in diesem Land verboten sein", sagte Ardern. Auch Schnellfeuervorrichtungen wie sogenannte Bump Stocks und Großmagazine sollen aus dem Verkehr gezogen werden. Ein entsprechendes Gesetz wird voraussichtlich Anfang April im Parlament eingebracht. Bis dahin sorgt eine Übergangsregelung dafür, dass solche Waffen schon jetzt nicht mehr verkauft werden.

Ein rechtsextremer Attentäter hatte am vergangenen Freitag in zwei Moscheen in Christchurch auf Gläubige geschossen und dabei 50 Menschen getötet. Ihm droht lebenslange Haft. Seine Tat hatte er live im Internet übertragen.

Um die Zahl bereits kursierender Waffen zu reduzieren, plant die neuseeländische Regierung außerdem ein Rückkaufprogramm. Ardern kündigte an, je nach Menge der zurückgegebenen Waffen werde das Programm zwischen 100 und 200 Millionen neuseeländische Dollar (zwischen 60 und 121 Millionen Euro) kosten. Einige Neuseeländer haben sich bereits gemeldet, um ihre Waffen abzugeben.

Die oppositionelle National Party unterstützt die Verbotspläne der Premierministerin. Ihr Vorsitzender Simon Bridges sagte, seine Partei stimme zu, dass die Bevölkerung "keinen Zugang zu halbautomatischen Waffen, wie sie beim Militär üblich sind", brauche. Er versprach, "konstruktiv" mit der Regierung zusammenzuarbeiten.

Das geplante Verbot sei "eine gute Sache", sagte ein Überlebender des Anschlags auf die Al-Noor-Moschee der Nachrichtenagentur AFP. "Wozu sollte man solche Waffen bei sich zuhause brauchen?", fragte der 54-jährige Kawthar Abulaban.

Unterdessen wurden in Christchurch weitere Opfer beigesetzt. Hunderte Trauernde - darunter Muslime und Nichtmuslime - kamen zur Beerdigung des 14-jährigen Sayyad Milne und des 24-jährigen Tariq Omar. Omar, der als Fußballtrainer arbeitete, war nach Berichten örtlicher Medien mit seiner Mutter im Auto zur Moschee gekommen. Sie überlebte, weil sie ihren Sohn aussteigen ließ und nach einem Parkplatz suchte. Der Ausbildungsleiter des Fußballvereins Christchurch United würdigte Omar als Mensch mit "einem riesengroßem Herzen".

Eine Nachbarin der Familie Milne sagte, beim Blick über den Friedhof sei ihr schlagartig klar geworden, wie viele Beisetzungen es in den kommenden Tagen noch geben werde. "Mir fiel auf, wie viele Gräber dort noch warten, und auf was für einer großen Fläche." Zuvor hatte es Kritik an den Behörden gegeben, weil sich die Identifizierung der Opfer hingezogen hatte. Nach islamischer Tradition sollten Tote möglichst innerhalb von 24 Stunden bestattet werden.

Derzeit bemühen sich die Polizei und zahlreiche Handwerker, ihre Arbeiten an der Al-Noor-Moschee rechtzeitig zum kommenden Freitagsgebet abzuschließen. Ein Polizeisprecher sagte, seine Kollegen arbeiteten "unermüdlich", damit die Menschen möglichst bald in ihre Moschee zurückkehren könnten.

Sollte die Moschee nicht rechtzeitig fertig sein, soll das Gebet in einem gegenüberliegenden Park stattfinden. Bei Facebook meldeten sich bereits 2600 Menschen auf einen Aufruf an die Öffentlichkeit, zum Freitagsgebet zu kommen. Als Zeichen der Solidarität wird der Gebetsruf am Freitag im staatlichen Fernsehen und Radio übertragen, auch zwei landesweite Schweigeminuten sind geplant.

In der Stadt Dunedin, wo der aus Australien stammende mutmaßliche Attentäter zuletzt lebte, beteiligten sich am Donnerstag mehr als 10.000 Menschen an einem Schweigemarsch. Sie liefen zu einem Rugby-Stadion, in dem sich letztlich rund 15.000 Menschen zu einer Mahnwache versammelten, wie örtliche Medien berichteten.

AFP