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Orkantief "Ylenia" sorgt für großflächige Störungen im Bahnverkehr

Unwetterhinweis auf einer Anzeigentafel der Bahn
Unwetterhinweis auf einer Anzeigentafel der Bahn
© © 2022 AFP
Das Orkantief "Ylenia" hat am Donnerstag in Deutschland zu großflächigen Störungen des Zugverkehrs geführt.

Das Orkantief "Ylenia" hat am Donnerstag in Deutschland zu großflächigen Störungen des Zugverkehrs geführt. Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr in der Nordhälfte aus Sicherheitsgründen ein, auch der Nah- und Regionalverkehr waren betroffen. Wegen des Unwetters waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, auf einer Landstraße in Niedersachsen wurde ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Nach Angaben der Bahn fuhren am Donnerstag bis auf Weiteres keine Fernzüge im Gebiet nördlich von Bahnhöfen in Münster, Hamm, Kassel und Magdeburg. Auch einzelne Fernverbindungen weiter im Süden waren betroffen, etwa eine EC-Verbindung zwischen München und Salzburg. Zu Verspätungen und Zugausfällen kam es demnach auch im Regional- und Nahverkehr, so morgens bei den S-Bahnen in Berlin und Hamburg.

Ein Bahnsprecher warnte Reisende vor bundesweiten Auswirkungen auch in den nicht direkt vom Sturm betroffenen Gebieten. Reisen sollten möglichst verschoben werden, sagte er in Berlin. Der Komplettstopp des Eisenbahnverkehrs sei eine "Vorsichtsmaßnahme" aufgrund von Erfahrungen mit früheren Extremwetterlagen. Es sei besser, Züge in Bahnhöfen zurückzuhalten statt sie auf freier Strecke stoppen zu müssen. Dort könnten Reisende sehr viel schlechter betreut werden.

Wegen "Ylenia" galten Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdiensts (DWD) und der Katastrophenschutzbehörden, insbesondere in der Nord- und Osthälfte Deutschlands. Die Bevölkerung wurde vor allem vor Gefahren durch umstürzende Bäume und umherfliegende Gegenstände gewarnt. In der Nacht registrierte der DWD nach eigenen Angaben Windgeschwindigkeiten von mehr als hundert Stundenkilometern, auf exponierten Berggipfeln wie dem Brocken im Harz auch deutlich mehr.

Im Lauf des Donnerstags ließ der Sturm größtenteils nach, für die meisten Gebiete wurden die Unwetterwarnungen nach und nach wieder zurückgenommen. Ausnahmen bildeten noch einige Mittelgebirge und der Alpenrand. "Ylenia" ist zugleich aber nur das erste von zwei dicht aufeinanderfolgenden Orkantiefs. Laut DWD wird nach einer zwischenzeitlichen Wetterberuhigung ab Freitagnachmittag "Zeynep" ebenfalls mit starkem Sturm erwartet. Für genauere Prognosen und Warnungen war es dem Wetterdienst zufolge allerdings noch zu früh.

Praktisch bundesweit meldeten die Feuerwehren und Polizeien ab der Nacht zum Donnerstag Unwettereinsätze wegen des Sturms oder der diesen teilweisen begleitenden heftigen Gewitter. So rückte die Feuerwehr Berlin laut Zwischenbilanz zu über 600 wetterbedingten Einsätzen aus, Hilfskräfte in Nordrhein-Westfalen arbeiteten nach Angaben des Landesinnenministeriums rund 2700 Sturmeinsätzen ab. In Schleswig-Holstein zählte das Innenministerium über 400 Einsätze.

Auf einer Landstraße bei Bad Bevensen in Niedersachsen wurde laut Polizei am Donnerstagmorgen ein 37-jähriger Autofahrer während der Fahrt von einem umstürzenden Baum getroffen. Er starb in seinem Fahrzeug. Im schleswig-holsteinischen Krempe wurde ein junger Rollerfahrer bei einem durch den Sturm verursachten Sturz schwer verletzt. Nach Polizeiangaben wurde der 16-Jährige auf einer Brücke von einer Böe erfasst und prallte dadurch gegen das Brückengeländer.

Meldungen über schwerwiegendere Vorfälle blieben ansonsten aus. Die Helfer berichten aber bundesweit von umgestürzten Bäumen, beschädigten Hausdächern und umhergewehten Hindernissen. Vielfach fuhren auch Autos in umgeknickte Bäume, vereinzelt stürzten Bäume auch auf Wohnhäuser oder kamen leere Lastwagen durch Böen von den Fahrbahnen ab. Örtlich waren darüber hinaus Straßen zeitweise blockiert oder Stromleitungen durch umgestürzte Bäume beschädigt.

Bereits vor Ankunft des Orkantiefs hatten die Behörden in vielen Bundesländern reagiert. So ordnete das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen einen landesweiten Schulausfall für Donnerstag an. Andere Bundesländer stellten Eltern die Entscheidung über den Unterrichtsbesuch ihrer Kinder mit Verweis auf das Wetter frei. Vielerorts wurden außerdem Parks geschlossen und Märkte abgesagt.

AFP

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