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Papst verurteilt "Sklaverei" und "Folter" in Flüchtlingslagern

Papst Franziskus mit Flüchtlingen in Nikosia
Papst Franziskus mit Flüchtlingen in Nikosia
© © 2021 AFP
Zum Abschluss seines Besuchs auf der Mittelmeer-Insel Zypern hat Papst Franziskus die Zustände in Flüchtlingslagern verurteilt und zum Abbau von Vorurteilen aufgerufen.

Zum Abschluss seines Besuchs auf der Mittelmeer-Insel Zypern hat Papst Franziskus die Zustände in Flüchtlingslagern verurteilt und zum Abbau von Vorurteilen aufgerufen. Während eines Gebets mit Migranten in Nikosia prangerte Franziskus am Freitag "Folter" und Sklaverei" in Aufnahmezentren an. "Es erinnert uns an die Geschichte des letzten Jahrhunderts, an die Nazis, an Stalin, und wir fragen uns, wie das passieren konnte", sagte das Oberhaupt der Katholiken.

Bei dem Gebetstreffen in einer Kirche nahe der Pufferzone zwischen dem griechischen Süd- und dem türkischen Nordteil der Mittelmeerinsel kritisierte der Papst "Engstirnigkeit und Vorurteile" im Umgang mit Migranten. Er sprach vom Traum einer "Menschheit ohne trennende Wände, befreit von Feindschaft, in der es keine Fremde mehr gibt, sondern nur Mitbürger".

An dem ökumenischen Gebet nahmen Christen aus dem Nahen Osten, Afrika und Asien teil. Einige von ihnen schilderten ihre Beweggründe für ihre Flucht aus der Heimat. Ein Migrant aus Südasien berichtete, er sei vor "Gewalt, Bomben, Hunger und Schmerz" geflohen. Ein Flüchtling aus Kamerun sagte, er sei "durch Hass verwundet worden".

"Eure Anwesenheit, liebe Brüder und Schwestern Migranten, ist für diese ökumenische Feier von großer Bedeutung", sagte der Papst. "Eure Zeugnisse sind wie ein Spiegel für uns, die christlichen Gemeinschaften."

Am Freitagmorgen hatte das katholische Kirchenoberhaupt bereits in einem Fußball-Stadion in Nikosia eine Messe gefeiert, an der rund 7000 Menschen teilnahmen. Dabei rief er zum "Dialog" und zur "Brüderlichkeit" auf.

"Wenn wir nicht zusammenwirken, wenn wir nicht im Dialog stehen, wenn wir nicht gemeinsam vorangehen, werden wir unsere Verblendung nicht vollständig heilen können", sagte der Papst in Begleitung des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Die Gläubigen schwenkten Flaggen des Libanon, Argentiniens und der Philippinen. Ein Chor stimmte Lieder auf Arabisch, Englisch und Griechisch an. Viele der 25.000 Katholiken in Zypern sind Arbeitskräfte von den Philippinen oder aus anderen Ländern Südasiens.

Die Papst-Reise steht auch im Zeichen des Schismas, durch das die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche von Konstantinopel seit 1054 getrennt sind. Die Geschichte habe eine "tiefe Spaltung" hinterlassen, aber mit Hilfe des Heiligen Geistes, Demut und Respekt werde eine Wiederannäherung möglich sein, sagte der Papst vor orthodoxen Klerikern, zu denen auch Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern zählte.

Der Papst hatte am Donnerstag bereits den "furchtbaren Riss" beklagt, durch den Zypern seit der türkischen Invasion 1974 geteilt ist. Er sagte, der "Weg des Friedens" werde durch ein Wort aufgezeigt - das Wort "Dialog".

Die Reise des 84-jährigen Kirchenoberhaupts aus Argentinien ist seine 35. seit Beginn des Pontifikats 2013. Er rief dazu auf, Flüchtlinge ohne Ansehen der Religion und des Status aufzunehmen. Nach Angaben des zyprischen Präsidenten will Franziskus 50 Migranten von Zypern nach Italien mitnehmen. Einzelheiten wurden dazu nicht bekannt, der Vatikan bestätigte dies zunächst nicht. Der Papst hatte aber bereits am Donnerstag die Europäer angesichts der Flüchtlingskrise vor "Mauern der Angst" und "Nationalismus" gewarnt.

Die Republik Zypern verzeichnet nach eigenen Angaben gemessen an ihrer eigenen Einwohnerzahl die höchste Flüchtlingsquote der Europäischen Union. So seien in den ersten zehn Monaten des Jahres 10.000 Flüchtlinge irregulär ins Land gekommen, die meisten von ihnen aus dem Norden, der unter türkischer Verwaltung steht.

Am Samstag reist der Papst nach Griechenland weiter. Während seiner dreitägigen Visite will er unter anderem ein Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos besuchen.

Über das Mittelmeer führen einige der wichtigsten Flüchtlingsrouten für Menschen aus Afrika und Asien, die nach Europa gelangen wollen. Die Überfahrt ist häufig lebensgefährlich. Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits etwa 1400 Migranten bei dem Versuch, Europa über das Mittelmeer zu erreichen, ums Leben gekommen. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

AFP

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