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Porsche an der Frankfurter Börse gestartet

Porsche-Manager Meschke und Firmenchef Blume (v.l.)
Porsche-Manager Meschke und Firmenchef Blume (v.l.)
© AFP
Inmitten turbulenter Zeiten an den Finanzmärkten hat Volkswagen seine Sportwagentochter Porsche an die Börse gebracht. Der Erstkurs der Aktie betrug am Donnerstag 84 Euro, was Porsche einen Börsenwert von über 76 Milliarden Euro bescherte. Wenig später lag der Aktienpreis bei 86 Euro. "Ein Traum wird heute wahr", sagte Oliver Blume, Chef von Porsche und VW. Das eingesammelte Geld soll in den Ausbau der Elektromobilität fließen.

Blume sprach von einem "historischen Moment für Porsche", als er das Startzeichen für den Handel gab. Porsche erlange mit dem Börsengang mehr Eigenständigkeit und einen noch größeren unternehmerischen Spielraum. Zugleich werde Porsche weiterhin von den "Synergien innerhalb des VW-Konzerns" profitieren können.

Gehandelt werden die Papiere unter dem Code P911 - eine Anspielung auf das Ikonen-Modell des Autobauers. Das Kapital wurde zudem in exakt 911 Millionen Aktien eingeteilt, von denen knapp 114 Millionen Papiere nun an der Börse gehandelt werden. Damit platzierte VW 12,5 Prozent des Kapitals, was rund 9,4 Milliarden Euro einbringen dürfte.

Gedacht ist das Geld unter anderem für den Ausbau der Nachhaltigkeit. "Wir arbeiten darauf hin, dass unsere Wertschöpfungskette 2030 bilanziell CO2-neutral ist", sagte Blume. Bis dahin sollen mehr als 80 Prozent der ausgelieferten Fahrzeuge vollelektrisch laufen. "Wir schauen in die Zukunft, aber wir vergessen nie, woher wir kommen, was uns prägt", sagte der Firmenchef und verwies auf das Design von Porsche und etwa das Engagement im Motorsport. 

Porsche gehört zu 100 Prozent zu Volkswagen. Der weltweit zweitgrößte Autohersteller wiederum wird kontrolliert von der Porsche Automobil Holding SE, über die die Familien Porsche und Piëch eine Stimmenmehrheit von 53,3 Prozent bei Volkswagen haben. Durch den Börsengang bekommen die Eigner-Familien wieder Zugriff auf Porsche. 

Porsche hat seinen Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen und beschäftigt etwa 37.000 Menschen. Im vergangenen Jahr lieferte Porsche mehr als 300.000 Fahrzeuge aus, der Gewinn betrug über fünf Milliarden Euro.

Der Gang aufs Parkett ist gemessen am Wert der Aktien der bedeutendste in Deutschland seit dem Börsengang der Deutschen Telekom 1996. Auf europäischer Ebene gilt er als der größte seit dem Börsengang des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore im Jahr 2011.

Der Porsche-Börsengang kommt zu ungewöhnlicher Zeit. Derzeit seien die Kandidaten wegen "anhaltender geopolitischer Spannungen, steigender Zinsen und einer hohen Volatilität an den Weltbörsen" eher in "Wartestellung", erklärten die Experten von der Beratung EY. Porsche sei nun der weltweit größte Börsengang im dritten Quartal. Bezogen auf die Marktkapitalisierung ist der Autobauer das größte Unternehmen, das bislang in diesem Jahrtausend in Europa an die Börse ging.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte zum Start des Handels, eine "schlechtere Zeit kann man sich gar nicht vorstellen". Grundsätzlich befürwortete er aber im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk den Börsengang. Volkswagen "braucht das Geld für die Elektromobilität", daher verkaufe der Konzern "das Tafelsilber".

AFP

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