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Proteste im Iran halten über drei Wochen nach Tod von Mahsa Amini weiter an

Raisis Präsident Raisi posiert mit Studentinnen
Raisis Präsident Raisi posiert mit Studentinnen
© AFP
Protestierende Schülerinnen, streikende Arbeitnehmer und gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften: Die massiven Proteste im Iran gegen den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini reißen auch nach drei Wochen nicht ab. Aminis Vater wies am Samstag die offizielle Erklärung der iranischen Behörden für den Tod seiner Tochter zurück.

"Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, dass Blut aus Mahsas Ohren und ihrem Nacken ausgetreten war", zitierte der in London ansässige persischsprachige Fernsehsender Iran International den Vater der 22-Jährigen. 

Die rechtsmedizinische Organisation des Iran (IMO) hatte am Freitag mitgeteilt, Amini sei "nicht durch Schläge" gestorben, sondern an den Folgen eines chirurgischen Eingriffs, der bei ihr im Alter von acht Jahren wegen eines Gehirntumors vorgenommen worden sei.

Mahsa Amini war am 16. September gestorben, nachdem sie drei Tage zuvor in Teheran von der Sittenpolizei wegen des Vorwurfs festgenommen wurde, ihr Kopftuch nicht den Vorschriften entsprechend getragen zu haben. Nach Angaben von Aktivisten wurde sie im Polizeigewahrsam geschlagen und starb an einer Kopfverletzung. Die Polizei bestreitet jegliche Verantwortung für den Tod der jungen Frau. Aminis Tod löste eine Welle des Protests gegen die Unterdrückung von Frauen im Iran aus. 

Irans ultrakonservativer Präsident Ebrahim Raisi zeigte sich anlässlich des Semesterbeginns mit Studentinnen der Teheraner Frauenuniversität Al-Sahra. Zur gleichen Zeit skandierten auf dem Campus junge Frauen "Tod dem Unterdrücker", wie die in Oslo ansässige Gruppe Iran Human Rights (IHR) mitteilte. 

Raisi sagte, die iranischen Studenten würden dem "Feind" nicht auf den Leim gehen und dieser werde scheitern. Er macht ausländische Kräfte für die Protestwelle gegen die Führung in Teheran verantwortlich. Am Samstagabend traf er mit dem Chef der Justiz und dem Parlamentssprecher zusammen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete.

In einer Schule in Aminis Heimatstadt Saghes in der Provinz Kurdistan skandierten Mädchen "Frau, Leben, Freiheit", auf der Straße nahmen Demonstrantinnen ihre Kopftücher ab und schwenkten sie über ihrem Kopf, wie am Samstag aufgenommene Videos nach Angaben der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Hengaw zeigten. Auch in Sanandadsch, der Hauptstadt der Provinz Kurdistan, protestierten demnach Schülerinnen. 

Aus Sanandadsch verbreiteten sich grauenvolle Videoaufnahmen in Online-Medien, die einen Mann zeigten, der am Steuer seines Autos erschossen worden war. Der Polizeichef der Provinz, Ali Asadi, erklärte, der Mann sei von "revolutionsfeindlichen Kräften getötet" worden. In einem ebenfalls kursierenden Video war zu sehen, wie wütende Männer offenbar ein Mitglied der gefürchteten Bassidsch-Miliz der Stadt verfolgten und auf den Mann einschlugen. 

Ein weiteres Video zeigte eine junge Frau, die offenbar in Maschhad erschossen wurde.   

Auf einer Autobahnüberführung in Teheran war ein großes Transparent angebracht, auf dem zu lesen war: "Wir haben keine Angst mehr. Wir werden kämpfen", wie von der Nachrichtenagentur AFP überprüfte Bilder zeigten. 

In einem im Internet geteilten Video ist ein Mann zu sehen, der den Schriftzug auf einem Plakat der Regierung von "Die Polizei ist die Dienerin des Volkes" in "Die Polizei ist die Mörderin des Volkes" abändert. 

Die Nachrichtenagentur Isna meldete eine massive Präsenz von Sicherheitskräften in Teheran und vor allem im Umkreis von Universitäten. Es gebe "vereinzelte" Versammlungen in Teheran. Straßenproteste gab es auch in Isfahan, Karadsch, Schiras und Tabris sowie weiteren Städten, wie Iran Wire mit Sitz in London meldete.

Hengaw berichtete zudem von "ausgedehnten Streiks" in Saghes, Sanandadsch und Diwandarreh in der Provinz Kurdistan sowie in Mahabad in der Provinz West-Aserbaidschan.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation IHR wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Behörden gegen die Demonstranten mindestens 95 Menschen getötet.

AFP

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