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Radikalislamische Taliban verüben zwei Selbstmordanschläge in Afghanistan

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben islamistische Talibanrebellen am Mittwoch fast zeitgleich zwei Selbstmordanschläge verübt.

Einer der beiden Anschlagsorte in Kabul

Einer der beiden Anschlagsorte in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben islamistische Talibanrebellen am Mittwoch fast zeitgleich zwei Selbstmordanschläge verübt. Nach vorläufigen Behördenangaben wurden dabei und bei einer anschließenden Schießerei mindestens drei Menschen getötet und 38 weitere zum Teil schwer verletzt. Die steigern in jüngster Zeit vor dem Beginn ihrer jährlichen Frühjahrsoffensive landesweit Attentate und Angriffe.

Der erste Attentäter steuerte dem Innenministerium zufolge sein mit Sprengstoff gefülltes Auto in eine Polizeiwache im Westen . Danach drang ein anderer Angreifer in das Gebäude ein und lieferte sich einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Über dem Gebiet stiegen beißende Rauchwolken zum Himmel.

Minuten später sprengte sich vor dem Sitz des afghanischen NDS im Osten der Hauptstadt ein zweiter Selbstmordattentäter in die Luft. Ein weiterer Angreifer wurde beim Versuch, in das Gebäude einzudringen, erschossen, wie ein Vertreter der Sicherheitskräfte mitteilte.

Die Taliban bekannten sich zu beiden Anschlägen. Ihr Sprecher Sabihullah Mudschahid bezeichnete die Attentäter im Kurzbotschaftendienst Twitter als "Märtyrer". Die islamistischen Rebellen fügen Militär und Polizei immer wieder schwere Verluste zu und untergraben deren Moral. Die Zahl der Fahnenflüchtigen unter den Sicherheitskräften ist hoch.

Am Montag hatte ein Polizist mit Verbindungen zu den Taliban an einem Kontrollposten in der südlichen Unruheprovinz Helmand elf Kollegen erschossen. Die Taliban bekannten sich zu der sogenannten Insider-Attacke. Der Täter konnte nach Angaben der Provinzverwaltung mit Waffen und Munition entkommen. Im Januar hatten die Taliban einen Doppelanschlag auf ein Parlamentsgebäude in Kabul verübt und mehr als 30 Menschen getötet.

Der Nato-Oberkommandierende in Afghanistan, US-General John Nicholson, forderte im Februar mehr Soldaten für den internationalen Ausbildungs- und Beratungseinsatz am Hindukusch. Dem Militärbündnis fehlen zur Erfüllung seiner Aufgaben in Afghanistan nach seinen Worten "einige tausend Soldaten". Das Pentagon will dieses Frühjahr allein in die Provinz Helmand 300 Marineinfanteristen entsenden.

Die Nato-Staaten, die ihren Kampfeinsatz in dem Land Ende 2014 offiziell beendet hatten, haben derzeit mehr als 13.000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Etwa die Hälfte von ihnen stellt das US-Militär. Auch die Bundeswehr beteiligt sich an dem Einsatz "Resolute Support", bei dem es vor allem um Ausbildung, Beratung und Unterstützung des afghanischen geht. Der Bundestag hatte im vergangenen Dezember einer Verlängerung des Bundeswehreinsatzes bis Ende 2017 zugestimmt. Die Obergrenze liegt unverändert bei 980 Bundeswehrsoldaten.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hatte ursprünglich den Abzug aller US-Soldaten aus Afghanistan angekündigt. Angesichts der prekären Sicherheitslage blieben bei seinem Abschied aus dem Weißen Haus jedoch mehrere tausend US-Soldaten im Einsatz in Afghanistan. Die Pläne von Obamas Nachfolger Donald Trump für Afghanistan sind bislang unbekannt.

Die afghanischen Sicherheitskräfte verloren zuletzt im Kampf gegen regierungsfeindliche Gruppen wie die Taliban weiter an Boden. In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres wurden der US-Regierung zufolge knapp 6800 Polizisten und Soldaten getötet, 35 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl ziviler Opfer erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand. Nach UN-Angaben gab es 2016 fast 11.500 zivile Tote oder Verletzte, ein Drittel davon waren Kinder.

AFP

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