Bei den massiven russischen Angriffen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist auch das Fernsehstudio der ARD-Korrespondenten nach Angaben des Westdeutschen Rundfunks (WDR) massiv beschädigt worden.
Wahrscheinlich habe eine Druckwelle durch die russischen Angriffe in dem zentral gelegenen Studio zu Verwüstungen geführt. Es seien Fenster zersplittert, Räume verwüstet und Wände eingestürzt, hieß es in einer in Köln veröffentlichten Mitteilung des WDR. Zum Zeitpunkt der Attacken habe sich niemand in dem Studio aufgehalten.
Leiter des ARD-Studios meldet sich zu Wort
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, das Studio liege im Gebäude des nationalen Kunstmuseums, das bei den Angriffen beschädigt worden sei. „Die statische Sicherheit des Gebäudes muss nun überprüft werden“, erklärte der WDR weiter. Die Berichterstattung werde „mit mobilen technischen Lösungen und Ausweichmöglichkeiten weiter gewährleistet“.
„Rausgerissene Fensterrahmen, überall Splitter, zerstörte Technik – den eigenen Arbeitsplatz völlig verwüstet zu sehen, ist ein Schock“, sagte Kiews ARD-Studioleiter Vassili Golod. Sein Team lasse sich jedoch nicht einschüchtern von den russischen Angriffen.
In der Nacht hatte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe die Ukraine mit insgesamt 600 Drohnen und 90 Raketen angegriffen. 549 Drohnen und 55 Raketen konnten demnach abgefangen werden. Erneut kam auch die atomwaffenfähige Oreschnik-Rakete zum Einsatz, wie das russische Verteidigungsministerium am Sonntag bestätigte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor einen Angriff mit einer Oreschnik-Rakete auf die Stadt Bila Zerkwa in der Region Kiew bekannt gegeben.
Laute Explosionen in Kiew
In Kiew hörten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP bis in die Morgenstunden immer wieder laute Explosionen. Die ukrainischen Behörden lösten Luftalarm aus und warnten zudem vor Bränden. Dutzende Menschen suchten in einer Metro-Station im Stadtzentrum Schutz.
Wie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Sonntagmorgen mitteilte, waren in der Hauptstadt zwei Tote zu beklagen. Zwei weitere Tote gab es nach Angaben von Verwaltungschef Mykola Kalaschny in der umliegenden Region Kiew. Zudem wurden 69 Verletzte gemeldet. Weitere Verletzte gab es in den Regionen Charkiw, Tscherkassy und Dnipropetrowsk.
Klitschko erklärte, in jedem Bezirk der Stadt habe es Schäden durch die Angriffe gegeben. Im Bezirk Schewtschenkiwsky wurde demnach eine Schule getroffen und in Brand gesetzt. In einem brennenden Geschäftszentrum saßen Menschen in einem Schutzraum fest.
Selenskyj hatte schon am Samstag vor einem Angriff mit Oreschnik-Raketen gewarnt und auf Geheimdienstinformationen verwiesen. Die Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3000 bis 5500 Kilometern Entfernung erreichen kann. Laut Kreml-Chef Wladimir Putin ist es selbst für moderne Luftabwehrsysteme „unmöglich“, die Rakete abzufangen.
Bundeskanzler Merz: Stehen fest an der Seite der Ukraine
Bundeskanzler Merz kritisierte ebenfalls auf X den Einsatz der Oreschnik-Rakete. „Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine“, hob er hervor. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) nannte „Russlands Raketenterror“ „schockierend“. Auch er bezeichnete den Einsatz der Oreschnik-Rakete als „weitere Eskalation“. Er hob hervor, dass nur eine starke Ukraine „Putin zum Einlenken bewegen“ könne.
Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Luftangriffen. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.