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Sintflutartiger Regen erschwert Hilfsarbeiten nach Tsunami in Indonesien

Nach dem verheerenden Tsunami mit mehr als 400 Toten haben indonesische Rettungskräfte weiter unter Hochdruck nach Opfern und Überlebenden gesucht.

Bewohner verlassen die Insel Sebesi nach dem Tsunami

Bewohner verlassen die Insel Sebesi nach dem Tsunami

Nach dem verheerenden Tsunami mit mehr als 400 Toten haben indonesische Rettungskräfte weiter unter Hochdruck nach Opfern und Überlebenden gesucht. Wie die nationale Katastrophenschutzbehörde am Mittwoch mitteilte, erschwerten sintflutartige Regenfälle die Hilfsarbeiten, insbesondere in entlegenen Ortschaften. Die Behörde riet Küstenbewohnern, sich vom Meer fernzuhalten, solange der Vulkan Anak Krakatoa zwischen den Inseln Java und Sumatra noch aktiv sei.

Ein Teil des Vulkankraters war beim Ausbruch am Samstag abgebrochen und ins Meer gerutscht. Der dadurch ausgelöste Tsunami war ohne Vorwarnung über Küstenregionen und Touristenstrände an der Meerenge von Sunda hereingebrochen. Die Flutwellen trafen im Süden Sumatras und im Westen Javas an Land.

Die Zahl der Toten gaben die Behörden am Mittwoch mit 430 an. Knapp 1500 Menschen wurden demnach verletzt, 159 noch vermisst. Fast 22.000 Menschen seien in Notunterkünften untergekommen. Rettungskräfte warnten, sauberes Wasser und medizinische Vorräte würden zur Neige gehen.

Der Sprecher der indonesischen Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Purwo Nugroho, sagte, die Zahl der Todesopfer könne noch steigen. Spürhunde wurden eingesetzt, um in den Trümmern nach Vermissten zu suchen. Doch die Hoffnungen, Überlebende zu finden, schwanden.

"Als der Tsunami an Land traf, fiel auf einmal der Strom aus und ich hörte ein Geräusch, das wie das Dröhnen eines Flugzeugs klang", erzählte der 62-jährige Ismail aus dem Dorf Sumber Jaya auf Java. Er habe seine Taschenlampe auf das Meer gerichtet und die Welle gesehen. "Ich rannte in den Wald auf den Hügeln."

Sumber Jaya wurde nahezu komplett zerstört. "Da war eine Tankstelle, ein Lebensmittelladen und ein Shop für Autoteile", sagte Ismail. "Die sind jetzt alle weg. Wir haben bisher noch keine Hilfe bekommen. Wir haben nur verschlammten Reis, aber wir werden ihn trotzdem essen." Gerüchte über eine weitere Flutwelle führten in dem Dorf zwischenzeitlich zu einer Massenpanik.

Die katholische Hilfsorganisation Caritas kündigte an, sie werde ihre zur Verfügung gestellte Nothilfe für die Partner vor Ort auf 200.000 Euro verdoppeln. Tausende Nothilfe-Pakete seien bereits verteilt worden, ein medizinisches Team mit Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen sei im Einsatz. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, Überflutungen und starke Regenfälle behinderten die Hilfsarbeit.

Der Experte Richard Teeuw von der Universität Portsmouth warnte, es gebe eine "hohe" Wahrscheinlichkeit für weitere Tsunamis, solange die derzeitige Aktivität des Vulkans anhalte. Denn diese könne zu weiteren Erdrutschen unter Wasser führen.

Indonesien wird immer wieder von katastrophalen Tsunami-Flutwellen heimgesucht. Diese entstehen in der Regel durch Erdbeben unter dem Meeresboden. Dass sie durch Vulkanausbrüche und Erdrutsche ausgelöst werden, ist eher selten. Bei einem schweren Beben und einem anschließenden Tsunami kamen erst Ende September auf der indonesischen Insel Sulawesi mehr als 2000 Menschen ums Leben.

Besonders verheerend war der Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004: Damals starben in den Anrainerstaaten um den Indischen Ozean rund 220.000 Menschen, allein 168.000 davon in Indonesien. Ausgelöst worden war diese Katastrophe durch ein Seebeben der Stärke 9,1.

Zum 14. Jahrestag des Desasters von 2004 beteten am Mittwoch tausende Indonesier an Massengräbern und in Moscheen für ihre verlorenen Liebsten.

AFP