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So viele Menschen wie noch nie erhalten Pflegeleistungen

Die Pflegeversicherung boomt - und damit steigen auch die Kosten: So viele Menschen wie noch nie erhalten in Deutschland Pflegeleistungen.

Womöglich höherer Pflegebeitrag nötig

Womöglich höherer Pflegebeitrag nötig

Die Pflegeversicherung boomt - und damit steigen auch die Kosten: So viele Menschen wie noch nie erhalten in Deutschland Pflegeleistungen. Bekamen Ende 2016 noch 2,95 Millionen Leistungen aus der Pflegeversicherung, werden es bis Ende dieses Jahres bereits rund 3,46 Millionen sein, wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Dies seien deutlich mehr, als vor der jüngsten Pflegereform erwartet worden war.

Der "unerwartet hohe Anstieg an Leistungsempfängern und die höheren Leistungsbezüge der Pflegebedürftigen" führten zu deutlich steigenden Ausgaben, erklärte GKV-Vorstand Gernot Kiefer. Für das laufende Jahr rechnen die Kassen mit Mehrausgaben von rund zwei Milliarden Euro. "Damit wird sich das Defizit in der über die bisher eingeplante gut eine Milliarde Euro auf eine Größenordnung von rund drei Milliarden Euro bis Ende 2018 erhöhen", erklärte Kiefer.

Mit Einführung der Pflegestärkungsgesetze waren Anfang vergangenen Jahres erhebliche Leistungsausweitungen in der Pflege beschlossen worden, auch um die pflegenden Angehörigen zu entlasten. Im Zuge der Reform wurden zudem die bisher drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt, damit wird auch die Demenz stärker erfasst.

Bereits im vergangenen Jahr schloss die gesetzliche Pflegeversicherung trotz einer Beitragserhöhung mit einem Defizit von 2,4 Milliarden Euro ab. Die Reserve der Pflegeversicherung schmolz von gut 9,3 Milliarden Euro in 2016 auf 6,9 Milliarden Euro. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte bereits für die kommenden Jahre eine weitere Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge an.

Anders als im Vorfeld der Reform angenommen bekamen beispielsweise im vergangenen Jahr rund 115.000 Menschen mehr Leistungen in der ambulanten Pflege, wie der Spitzenverband der Kassen mitteilte. Allein dies führe im laufenden Jahr zu Mehrausgaben von rund 0,9 Milliarden Euro.

Insgesamt nimmt demnach der Anteil an höheren Pflegegraden zu, womit auch deutlich höhere Ausgaben für die Pflegeversicherung verbunden sind. Die finanziellen Auswirkungen dieses Struktureffekts auf das laufende Jahr beziffern die Kassen auf rund eine halbe Milliarde Euro.

Je höher der Pflegegrad eines ambulant betreuten Pflegebedürftigen ist, desto höher sind zudem auch die Leistungen zur sozialen Sicherung, die die pflegenden Angehörigen dafür erhalten. Das sind beispielsweise zusätzliche Zahlungen von der Pflegeversicherung an die Renten-, Arbeitslosen- und die Pflegeversicherung.

Die Zusatzkosten dadurch belaufen sich auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Alles in allem summierten sich die Mehrausgaben auf schätzungsweise zwei Milliarden Euro.

AFP
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