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Steinmeier: Versuche zur "Geschichtsbereinigung" sind unpatriotisch

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat vor Antisemitismus, Holocaustleugnung und Versuchen einer "Geschichtsbereinigung" gewarnt.

Anita Lasker-Wallfisch

Anita Lasker-Wallfisch

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat vor Antisemitismus, Holocaustleugnung und Versuchen einer "Geschichtsbereinigung" gewarnt. "Wer glaubt, er brauche eine bereinigte Geschichtsschreibung als Ausweis der Größe der eigenen Nation, ist ein Nationalist, aber kein Patriot", sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin laut Redetext bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises an die Holocaustüberlebende Anita Lasker-Wallfisch.

Lasker-Wallfisch und andere Holocaustüberlebende hätten den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen, ihre Vergangenheit "anzunehmen". Ohne dies wäre Deutschland "heute nicht das Land, das wir kennen und in dem wir leben wollen", ergänzte der Bundespräsident. "Verkrampft ist ein Verhältnis zur eigenen Nation, das die Geschichte umschreiben muss zu einer makellosen Kette von Leistungen und Errungenschaften."

Lasker-Wallfisch überlebte die Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen. Sie engagiert sich insbesondere dabei, Schülern bei Treffen von ihrem Schicksal zu erzählen und diese so für die Gefahren des Antisemitismus zu sensibilisieren. Sie sprach auch schon im Bundestag und erhielt für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen.

Der Nationalpreis wird seit 1997 von der Deutschen Nationalstiftung vergeben. Diese wurde 1993 auf Betreiben des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt und mehrerer mit ihm persönlich befreundeter Unternehmer und Intellektueller unter dem Eindruck der Wiedervereinigung gegründet, um die Einheit Deutschlands zu fördern und Grundfragen der nationalen Identität ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Der Preis ist keine staatliche Auszeichnung.

AFP