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Steinmeier enthüllt Gedenktafel für jüdische Vorbesitzer an Dienstvilla

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat an seiner Dienstvilla in Berlin eine Gedenktafel für die jüdischen Vorbesitzer enthüllt, die ihr Haus 1933 unter dem Druck der Machtübernahme durch die

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat an seiner Dienstvilla in Berlin eine Gedenktafel für die jüdischen Vorbesitzer enthüllt, die ihr Haus 1933 unter dem Druck der Machtübernahme durch die Nazis verkauften. "Als Hugo und Maria Heymann diesen Ort verlassen mussten, wurde ihr Glück zerstört", sagte Steinmeier am Montag bei der Zeremonie laut Redetext.

Das Schicksal der Heymanns erinnere zugleich an die "ungezählten" Geschichten von Familien, die unter dem Rassenhass und dem Terror des NS-Regimes gelitten hätten, betonte Steinmeier. Vor dieser Vergangenheit dürfe niemand die Augen verschließen. Es gebe dabei schlicht "keinen Platz für Bagatellisierung oder Verdruckstheit". Antisemitismus sei nicht überwunden, "auch nicht in unserem Land".

Hugo Heymann war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der mit seiner Frau in der Villa im Berliner Stadtteil Dahlem lebte. Wenige Tage nach der Machtübernahme durch die Nazis verkaufte er sie nach Angaben des Bundespräsidialamts überstürzt an einen Verleger, der sich zu einem Unterstützer der Nationalsozialisten entwickelte.

Wegen der aggressiven antisemitischen Stimmung und systematischen Verfolgung durch die NS-Machthaber verkaufen die Heymanns in der Folge ihr gesamtes Eigentum und versuchen zu fliehen. Die Flucht misslang aber 1938. Die NS-Geheimpolizei Gestapo beschlagnahmte ihre letzten Habseligkeiten aus einem Hotelsafe.

Hugo Heymann wurde mehrfach verhaftet, tagelang verhört und dabei offenbar schwer misshandelt. Wenige Tage nach der Freilassung aus erneuter Haft starb er am 5. Juni 1938. Seine Frau überlebte den Krieg. Insgesamt ist nur wenig über das Leben des Paars bekannt. Es gibt laut Präsidialamt nicht einmal ein Foto von Hugo Heymann.

Der Bund erwarb das Gebäude 1962. Es diente danach verschiedenen Zwecken, bevor es 2014 zur offiziellen Dienstvilla des deutschen Staatschefs wurde. Er kann dort während seiner Amtszeit wohnen.

Ausgelöst wurde die Erinnerungsinitiative durch Recherchen des Historikers Julien Reitzenstein. Das Bundespräsidialamt gab daraufhin ein Gutachten in Auftrag, das der Experte Michael Wildt von der Humboldt-Universität erstellte.

Zeitweise gab es Meinungsverschiedenheiten über die Form des Gedenkens. Reitzenstein stiftete 2014 einen Stolperstein. Darauf entwickelte sich eine Kontroverse, wo der richtige Verlegungsort sei.

Das Bundespräsidialamt erklärte damals, die Entscheidung über die Verlegung falle nicht in seine Kompetenz, sondern sei eine Angelegenheit der Stolpersteininitiative und des zuständigen Berliner Bezirks.

Gutachter Wildt sprach sich nach eigenen Angaben im vorigen Jahr für eine Tafel anstelle eines Stolpersteins aus. Zur Begründung verwies der Historiker darauf, dass diese mehr Platz biete, um an die Geschichte der Verfolgung der Heymanns erinnern zu können.

Dem Präsialamt zufolge erinnert auch ein Stolperstein an die Heymanns. Dieser wurde vor einem Haus in Berlin-Schmargendorf verlegt. In diesem hatte das Ehepaar nach dem Auszug aus der Villa seine letzte frei gewählte Bleibe. Auch der Zentralrat der Juden war demnach in das gesamte Projekt sehr eng eingebunden.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte es "ein wichtiges Signal, öffentlich an die Vergangenheit dieses Hauses und an dessen ehemaligen Eigentümer zu erinnern". "In unseren Zeiten, in denen wieder spalterische Tendenzen in der Gesellschaft sichtbar werden und manche Menschen keine Scheu mehr davor haben, die NS-Verbrechen zu relativieren, halte ich diese Erinnerung für besonders bedeutend", erklärte er.

AFP

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