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Steinmeier trifft 75 Jahre nach Auschwitz-Befreiung zu Besuch in Israel ein

Historische Fotos in Gedenkstätte Yad Vashem
Historische Fotos in Gedenkstätte Yad Vashem
© © 2020 AFP
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist am Mittwoch zu einem Besuch in Israel eingetroffen, der ganz im Zeichen des Gedenkens an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren steht.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist am Mittwoch zu einem Besuch in Israel eingetroffen, der ganz im Zeichen des Gedenkens an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren steht. Steinmeiers erster Programmpunkt soll ein Treffen mit Israels Präsident Reuven Rivlin in Jerusalem sein, danach ist ein Gespräch mit Holocaust-Überlebenden geplant. Am Donnerstag will er als erster Bundespräsident eine Ansprache in der nationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem halten.

Mit seinem Besuch in Israel will Steinmeier ein klares Zeichen setzen und zugleich seine Sorge vor dem weltweit erstarkenden Antisemitismus ausdrücken, hieß es im Bundespräsidialamt. Er wolle "die bleibende Verantwortung Deutschlands für die Shoa bekräftigen" und das "Bekenntnis zur unverbrüchlichen Freundschaft mit Israel erneuern". Der Bundespräsident werde sich zudem gegen "Antisemitismus, völkisches Denken und übersteigerten Nationalismus heute" wenden.

Das "Welt-Holocaust-Forum" in Yad Vashem am Donnerstag bildet den Auftakt für eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die in den kommenden Tagen an die Befreiung von Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945 erinnern. Am Montag kommender Woche soll die zentrale Gedenkfeier in Auschwitz stattfinden, auch daran nimmt Steinmeier teil. Von Polen aus fliegt er dann gemeinsam mit Israels Präsident Rivlin nach Berlin, wo die beiden Präsidenten am Mittwoch in der Gedenkfeier des Bundestags sprechen werden.

Für Israel ist die Gedenkveranstaltung am Donnerstag in Jerusalem ein historisches Großereignis. Mehr als 30 Staatsoberhäupter haben sich angesagt, tausende Sicherheitskräfte sind zu ihrem Schutz im Einsatz. Nach Angaben des Präsidialamts ist es die größte internationale Zusammenkunft in der Geschichte des Landes.

Gäste sind unter anderem Russlands Präsident Wladimir Putin, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und US-Vizepräsident Mike Pence. Dass Steinmeier zu einer Rede eingeladen wurde, gilt als besondere Geste der Versöhnung.

Von der Gedenkfeier in Jerusalem soll nach dem Willen der Veranstalter ein machtvolles Zeichen gegen den weltweiten Antisemitismus ausgehen. Yad-Vashem-Sprecherin Iris Rosenberg wertete die Anwesenheit der Staatsoberhäupter als wichtige Geste der Unterstützung. Dies symbolisiere, "dass Antisemitismus nicht nur ein Problem für Juden ist, sondern für Gesellschaften insgesamt", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Am Mittwochnachmittag will Steinmeier das Behandlungszentrum der Organisation AMCHA besuchen, die sich die psychosoziale Betreuung von Holocaust-Überlebenden und ihren Angehörigen zum Ziel gesetzt hat. Nach eigenen Angaben hilft sie in Israel jedes Jahr rund 18.000 Menschen, in vielen Fällen geht es um die Behandlung schwerer Traumata. Der Bundespräsident will dort mit Holocaust-Überlebenden und Therapeuten sprechen.

Die Gedenkfeierlichkeiten in Israel erfolgen vor dem Hintergrund außenpolitischer Spannungen. Die Krise um den Iran dürfte am Rande der Feierlichkeiten eine wichtige Rolle spielen, Israel fühlt sich durch Irans Rüstungsambitionen bedroht. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, er wolle mit den Staatsgästen auch "über den Iran und die Entwicklungen in der Region" sprechen.

Große Sorge bereitet Israel auch das Erstarken des Antisemitismus. Die Universität Tel Aviv registrierte für 2018 weltweit einen Anstieg von 13 Prozent bei "größeren gewaltsamen Übergriffen" gegen Juden binnen eines Jahres. Für Deutschland verzeichnete das Bundesinnenministerium für 2018 insgesamt 1800 antisemitische Straftaten - knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

AFP

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