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Studenten in Algerien wollen weiter demonstrieren

Auch nach dem Verzicht von Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika auf eine erneute Kandidatur wollen algerische Studenten am Dienstag in mehreren Städten gegen die Führung des Landes demonstrieren.

Bouteflika im Staatsfernsehen am Montagabend

Bouteflika im Staatsfernsehen am Montagabend

Auch nach dem Verzicht von Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika auf eine erneute Kandidatur wollen algerische Studenten am Dienstag in mehreren Städten gegen die Führung des Landes demonstrieren. In Aufrufen in Online-Netzwerken wurde ein "Ende des Systems" gefordert. In der Hauptstadt Algier wollten Studenten am dritten Dienstag in Folge im Zentrum protestieren, die Polizei war dort bereits im Einsatz. Auch in der Stadt Annaba im Nordosten waren Demos geplant.

Die Studenten-Demonstrationen gelten als ein erster Test dafür, ob der Schachzug der Führung um Bouteflika vom Montag die seit Wochen anhaltenden Proteste in dem Land eindämmen kann. Der wichtigste Test kommt allerdings erst am Freitag, dem Tag, an dem in den vergangenen Wochen zuletzt Zehntausende auf die Straße gegangen waren.

Der 82-jährige Bouteflika, der gesundheitlich schwer angeschlagen im Rollstuhl sitzt, hatte am Montag seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur für die Präsidentschaft verkündet. Zugleich wurde die für den 18. April geplante Präsidentschaftswahl verschoben.

Zunächst solle ein politischer Reformprozess in Gang kommen, nach dessen Abschluss womöglich Ende des Jahres ein neues Staatsoberhaupt gewählt werde, hieß es. In Algier und anderen Städten kam es daraufhin zu spontanen Freudenfeiern.

Ein neues Datum für die Wahl wurde allerdings nicht genannt. Dies bedeutet, dass der seit 1999 regierende Bouteflika zunächst auch nach dem Ende seiner aktuellen Amtszeit am 28. April an der Staatsspitze bleiben will.

Die Zeitung "El Watan" schrieb am Dienstag, die Ankündigungen seien "der letzte Trick von Bouteflika", der "die Präsidentschaftswahl annulliert und an der Macht bleibt". Die Zeitung "Liberté" nannte das Manöver eine "große Täuschung".

Die Demonstranten fordern seit Wochen nicht nur den Verzicht des greisen Bouteflika auf eine erneut Kandidatur, der ihrer Ansicht nach eine Marionette seines Umfeldes ist, sondern den Abtritt der gesamten Führung.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron begrüßte am Dienstag während einer Afrikareise die Entscheidung Bouteflikas. Er rief in Dschibuti aber auch zu einem "Übergang von einer vernünftigen Dauer" auf. Frankreich werde alles tun, um Algerien bei diesem Übergangsprozess "in Freundschaft und Respekt" zu begleiten.

AFP